Anmerkungen

Anmerkungen von Martin Janecke zur Abschrift der Perleberger Reimchronik.

Zur Darstellung

Textformatierung

Das Original ist in Fraktur gedruckt. Für die Abschrift, wie auch sonst auf dieser Internetseite, verwende ich allerdings Antiqua-Schriftarten. Auch aufgrund dessen nahm ich die folgenden Änderungen bei der Textformatierung vor:

Wortbedeutungen

Bei mir unbekannten Wörtern oder solchen, von denen ich annehme, dass sie vielen Lesern nicht vertraut sind, ergänzte ich Synonyme oder kurze Erklärungen als Meta-Information. In den meisten Browsern werden sie angezeigt, wenn man mit dem Mauszeiger kurz auf dem jeweiligen Wort verweilt. Ein Beispiel ist das Wort „Browsern“ im vorigen Satz. Beim Heraussuchen der Wortbedeutungen nutzte ich vor allem die bei Zeno.org digitalisiert vorliegenden historischen Nachschlagewerke sowie die deutsche Wikipedia.

Korrekturen

Grundsätzlich verzichtete ich auf Korrekturen oder Anpassungen an die heutige Rechtschreibung. Einige wenige Stellen besserte ich jedoch aus. Es wurden

Alle anderen gegebenenfalls auftauchenden Abweichungen vom Original sind nicht von mir beabsichtigt. Für Hinweise auf Fehler bei der Abschrift bin ich dankbar.

Inhaltliche Hinweise

Perleberger Wappen

Über „Das Perleberger Wappen“ findet sich im Original die einzige Grafik des gedruckten Buches. Sie stellt das Perleberger Wappen mit einem sechsstrahligen Stern dar. Heute prangt im Wappen ein achtstrahliges Spornrad.[1] Mathhäus Merian stellte das Wappen Mitte des 17. Jahrhunderts mit achtstrahligem Stern dar.[2]

Judenverfolgung in Perleberg

In den Anmerkungen zu „Schlächter und Juden in Perleberg“ findet sich der Satz:

Der Rath schützte sie und eine Judenverfolgung hat in Perleberg nicht stattgefunden.

An dieser Stelle wird nicht klar, auf welchen Zeitraum sich die Aussage bezieht. Wahrscheinlich ist, dass die Zeit bis zum benannten Jahr 1346 gemeint ist – vielleicht auch noch die Jahre darauf, während derer in Europa der Schwarze Tod wütete. Die Pandemie wurde vielerorts von Judenpogromen begleitet.

Die Annahme, bis zum Verfassen der Perleberger Reimchronik habe es keine Judenverfolgung in Perleberg gegeben, wäre allerdings falsch. Im Jahr 1510 fand in Berlin ein Prozess wegen vermeintlicher Hostienfrevel und ritueller Kindstötungen statt. Der Hostienschändung beschuldigt wurde darin neben anderen auch ein Perleberger Jude. Nicht nur fanden als Ergebnis des Prozesses 38 unschuldige Juden auf dem Scheiterhaufen den Tod – zwei weitere, zum Christentum konvertierte, wurden enthauptet –, infolge des Prozesses wurden auch alle Juden aus der Mark Brandenburg vertrieben.[3][4][5]

Im 20. Jahrhundert wurden zur Zeit des Nationalsozialismus in Perleberg erneut Juden verfolgt und jüdisches Leben zerstört.[6]

Broyhan

In „Ein crimen laesae majestatis in P.“ und anderen Texten der Reimchronik wird das in Perleberg gebraute Bier als „Broyhan“ bezeichnet. Dazu ist anzumerken, dass das Broyhan-Bier offenbar erst 1526 vom Hannoveraner Cord Broyhan erfunden und nach ihm benannt wurde.[7][8] Interessant wäre, auf welche Quelle sich August Höpfner stützte, als er diese Biersorte bereits im Perleberg des 15. Jahrhunderts ansiedelte.

Perleberger Frieden

Friedrich I. und die schöne Else in Perleberg“ berichtet unter anderem von Verhandlungen, die „zu dem Perleberger Frieden 1421“ führten. Hierbei handelt es sich offenbar um ein anderes Ereignis, als die Aushandlung des Vertrages von Perleberg von 1420 zwischen dem Herzogtum Sachsen-Lauenburg einerseits und den Hansestädten Hamburg und Lübeck andererseits. Auch dieser Friedensschluss ist unter den Namen „Frieden von Perleberg“ oder „Perleberger Frieden“ zu finden.


[1]
Dienstleistungsportal der Landesverwaltung Brandenburg: Wappen der Stadt Perleberg. Abrufdatum 10. Mai 2011.
[2]
Wikimedia Commons: File:Perleberg-1652-Merian.jpg. Abrufdatum 10. Mai 2011.
[3]
Wikipedia: Warhafftig Sumarius der gerichts hendel. Abrufdatum 18. Februar 2011.
[4]
Friedrich Holtze: Das Strafverfahren gegen die märkischen Juden im Jahre 1510. Schriften des Vereins für die Geschichte Berlins, Heft 21, Berlin 1884.
[5]
Aron Ackermann: Geschichte der Juden in Brandenburg a.d. Havel. Berlin 1906; dar. S. 31 ff.: Der Hostienschändungsprozess und seine Folgen.
[6]
Michael Beeskow: Gedenken am Perleberger VVN-Denkmal an die Opfer des Nationalsozialismus. Märkische Allgemeine Zeitung vom 28. Januar 2011. Abrufdatum 18. Februar 2011.
[7]
Wikipedia: Cord Broyhan. Abrufdatum 19. Februar 2011.
[8]
Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 1. Leipzig 1837., S. 249–250, Eintrag: Bier. Abgerufen von Zeno.org, 19. Februar 2011.