Gesunde Landeier und glückliche Küken

SPD-Wahlplakat 2017: Für mehr glückliche Küken in der Heimat.
Bundestagswahlplakat der SPD mit der Direktkandidatin Dagmar Ziegler
SPD-Wahlplakat 2017: Für gesunde Landeier.
Bundestagswahlplakate der SPD und der Partei Die Linke

Hast du erkannt, wofür die SPD mit den obigen Wahlplakaten im Jahr 2017 warb? In erster Linie natürlich für sich selbst und ihre Direktkandidatin in meinem Wahlkreis, Dagmar Ziegler. In zweiter Linie wirbt ein Plakat für beitragsfreie Kindertagesstätten und das andere für eine bessere medizinische Versorgung. Das heißt, der potenzielle Wähler soll wohl annehmen, dass die SPD sich für jene Themen stark macht, wenn man ihr bei der Bundestagswahl seine Stimme schenkt.

Die Plakate werben nicht tatsächlich für glückliche Küken oder gesunde Landeier. Das sind ausschließlich tierische, bildhafte Hüllen für die eigentliche Botschaft. So kennt man es aus klassischen Fabeln. Auf der einen Seite sehe ich in dieser Werbung eine kreative Verknüpfung berechtigter Vorhaben mit dem ländlichen Charakter unseres Wahlkreises im Nordwesten Brandenburgs.

Bei dieser Werbung habe ich aber auch einen Kloß im Hals. Die plakatierten glücklichen Küken und gesunden Landeier wären für sich genommen eigentlich wünschenswerte, ernstzunehmende politische Anliegen. Doch hier werden sie quasi zur Spielerei verwendet.

In Deutschland wurden 2016 rund 44 Millionen männliche Hühnerküken kurz nach dem Schlüpfen aus rein ökonomischen Gründen getötet,[1] etwa 120 000 pro Tag. In Medien sehen wir immer wieder, wie schlecht es vielen der zum Leben selektierten Vögel in manchen Anlagen zur Massentierhaltung geht. Und wir hören von Antibiotikamissbrauch, der uns multiresistente Keime beschert und so krank macht.

Wo die Prioritäten der SPD in der Landwirtschaftspolitik liegen, sieht man an ihren Taten. Im Jahr 2018 kippte die SPD mehrheitlich und mit der Stimme der Abgeordneten Dagmar Ziegler das zum Jahreswechsel greifende Verbot, männliche Ferkel ohne Betäubung zu kastrieren,[2] sodass diese Praxis in Deutschland für mindestens zwei weitere Jahre durchgeführt werden kann. In der Opposition hatte die Partei 2013 noch dagegen gewettert.


[1]
Patrizia Kramliczek: Werden Küken wirklich geschreddert?, in #faktenfuchs des Bayerischen Rundfunks, Stand 22. August 2017. Abgerufen am 13. Januar 2019.
[2]
Aus meinem Wahlkreis stimmte Dr. Kirsten Tackmann (Die Linke) gegen die Verlängerung der betäubungslosen Ferkelkastration. Sebastian Steineke (CDU) nahm an der Abstimmung nicht teil. Quelle: Deutscher Bundestag: Änderung des Tierschutzgesetzes, namentliche Abstimmung am 29. November 2018. Abgerufen am 13. Januar 2019.