Auf die Gipfel der Ravensberge

Eine Wanderung mit Mathies und Anne am 30. Dezember 2015

Es war bereits Nachmittag, als wir uns am Kino im Potsdamer Hauptbahnhof trafen. Dem Bahnhof gegenüber, am verfallenden Terrassenrestaurant Minsk, führen Treppen ein Stück des Weges zum Brauhausberg hinauf: einige der ersten Höhenmeter des Tages.
Auf dem Brauhausberg thront die einstige Königlich-Preußische Kriegsschule. Nach dem Ersten Weltkrieg beherbergte das Gebäude Reichs- und Heeresarchiv, in der DDR die SED-Kreis- und -Bezirksleitung, wovon noch Reste des Parteiemblems am Turm zeugen. 1991–2013 tagte hier der Landtag Brandenburg.
Brauhausberg und Telegraphenberg sind die nördlichsten Erhebungen des Saarmunder Endmoränenbogens, einer Hügelkette aus Gletschergeschiebe der letzten Eiszeit. Dieses Foto von einer unbenannten Kuppe lässt sich anhand des Jagensteins verorten.
Kappenträger fotografiert beim Abzweigen beim Fotografieren
Mein Wandergeselle dokumentierte die grazile Fauna im Gehölz. Neben Wildpark/Pirschheide und dem Königswald bei Sacrow ist der hiesige Forst im Süden Potsdams eines der drei großen Waldgebiete auf dem Territorium der Landeshauptstadt.
Auf dem Gipfel des Kleinen Ravensberges befanden wir uns geografisch auf dem Höhepunkt der Wanderung. Bodenständig kann man dem Himmel über Potsdam nirgendwo näher kommen. An diesem Ort sahen wir zum letzten Mal die Sonne.
Nach dem Abstieg vom Kleinen Ravensberg überschritten wir die Grenze zur vielsagenden Gemarkung Bergholz-Rehbrücke und wagten uns an den Aufstieg zum Großen Ravensberg über seine dunkle Nordostflanke.
Verschlossen krönen die eisernen Tore des Waldhauses den Großen Ravensberg. Durch Gitter musterten uns Raubvögel mit großen, hungrigen Augen. Ein goldiger Lichtschimmer an den Wipfeln der höchsten Kiefern tat den Sonnenuntergang kund.
Der Abstieg zum Teufelssee führte uns an Baumskeletten vorbei. Tote Bäume? Hermann Löns, dessen zweite Strophe eines Gedichts aus dem Buch „Mümmelmann“ auf einer Tafel am Waldhaus geschrieben stand, hätte dazu gesagt …

Höret:

Es gibt nichts Totes auf der Welt,
Hat alles sein’ Verstand,
Es lebt das öde Felsenriff,
Es leibt der dürre Sand.
 
Laß deine Augen offen sein,
Geschlossen deinen Mund
Und wandle still, so werden dir
Geheime Dinge kund.
 
Dann weißt du, was der Rabe ruft
Und was die Eule singt,
Aus jeden Wesens Stimme dir
Ein lieber Gruß erklingt.

Der Teufelssee ist ein sagenumwobenes Toteisloch von sieben Metern Tiefe. Tiere besuchen sein Ufer, um ihren Durst zu stillen. Wir Wanderer nutzten das letzte Dämmerlicht für einen Blick auf die Karte, bevor die Nacht uns der Sehkraft beraubte.
Der Schall verfrüht platzender Silvesterböller kündigte aus der Ferne das Jahresende an. Nach knapp zwei Kilometern Dunkelheit setzten die Straßenlaternen des Potsdamer Plattenbaugebietes Waldstadt II auch optisch Leuchtfeuer der Zivilisation.
Die Außengestaltung der Post im Waldstadt-Center schließt den Kreis mit Parallelen zu den Wänden des Restaurants Minsk am Beginn unseres Weges. Wir ließen den Ausflug mit einer schmackhaften Mahlzeit im China-Restaurant Chen ausklingen.

Wer unseren Wanderkurs im Detail nachvollziehen möchte, kann einen Blick auf die Karte werfen. In Farbe und bewegten Bildern hat zudem Mathies die Ereignisse des Tages dokumentiert. Das Video lädt auf Youtube zum Anschauen ein: Projekt Teufelssee.

Kommentare

  1. 17:07, 10. März 2016

    'Die Teufelsgabel hat der Zacken, damit wird er dich schon packen. Mit dem linken Zinken bohrt er dir in den linken...', glaube von Otto Waalkes.

    Warum blieb dein Wandersbegleiter* nicht beim See?

    *https://de.m.wikipedia.org/wiki/Matjes

  2. 17:45, 10. März 2016

    @1: Danke für den kulinarischen Tipp. Das wird meines Hundes heutiges Abendessen.

    Warum meine Mitwanderer nicht beim Teufelssee blieben? Hm. Vielleicht, weil es beim See nichts mehr zu sehen gab der Dunkelheit wegen, oder weil sie noch einen Restaurantbesuch planten. Apropos China-Restaurant Chen, das Sprichtwort „Chen und Lein machen alle Sachen klein“ wurde widerlegt: Die Portionen waren groß.

    Martin

  3. 14:10, 11. März 2016

    Hat der TSee damit was zu tun? https://www.youtube.com/watch?v=WKy0ekN8U1k

  4. 15:13, 11. März 2016

    @3: Der Teufelssee im Berliner Grunewald ist ein anderer. Auf dem nach jenem benannten und benachbarten Berliner Teufelsberg war ich aber auch schon. So sah es dort aus: https://prlbr.de/galerie/14/teufelsberg/

    Entstehungsgeschichtlich sowie, was die Namensherkunft betrifft, könnte es Parallelen zwischen beiden Gewässern geben. Infos finden sich auf Wikipedia:

    See am Fuß des Großen Ravensbergers:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Teufelssee_%28Potsdam-Mittelmark%29
    See in Berlin:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Teufelssee_%28Grunewald%29

    Martin

  5. 12:34, 13. März 2016

    Interessante Zusammenstellung der Highlights des Tages. Ich finde, die düsteren Bilder werden dem trist-grauen Tag durchaus gerecht. Das Gedicht untermauert indirekt die Stimmung, die mir beim Lesen des Beitrags kam. Es gibt da ein sehr passendes englisches Wort: gloomy.
    Danke für die Mühe!

  6. 00:33, 14. März 2016

    Danke für den Kommentar, @5!