Elstal
und Przewalski-Pferde in der Döberitzer Heide

Kaum zu glauben: Elstal mit seinen mehr als 3333 Einwohnern ist jünger als mein kleines Perleberger Wohnhaus mit weniger als 3 Bewohnern. Die Ortschaft Elstal entstand direkt nach dem Ersten Weltkrieg westlich von Berlin als Eisenbahnersiedlung am Verschiebebahnhof Wustermark. Heute gehört sie als Ortsteil zur Gemeinde Wustermark.

Kirche in Elstal Blüten der Fetthenne Bahnhofsgebäude in Elstal Wegweiser
Impressionen aus Elstal – besonders mag ich die Schildergruppe alle Richtungen rechts, Olympisches Dorf links.

Anzunehmen ist, dass sich der Name Elstal vom zuvor existierenden Vorwerk Elsgrund ableitet. Der Namensteil Els verweist in hiesigen Gefilden auf Erlen. Schwarz-Erlen fühlen sich an Flüssen und in feuchten Niederungen wohl. Elstal liegt an der Schwelle vom Havelländischen Luch im Norden und der höher gelegenen Nauener Platte im Süden, die östliche Grenze des Ortes markiert das Kiefbruch. Luch und Bruch bezeichnen Feuchtgebiete.

Elstaler Wasserturm Rangierbahnhof Bahnüberführung Doppelstocktriebwagen der ODEG
Ohne Eisenbahn kein Elstal – so bietet sich der mächtige Wasserturm als Wahrzeichen an.

Im Süden Elstals – also auf der Nauener Platte – liegt die Döberitzer Heide. Ehemals als Truppenübungsplatz genutzt, erstreckt sich hier nun die Sielmann-Naturlandschaft Döberitzer Heide. Das Herz derselben bildet eine mehrere Quadratkilometer große Wildniskernzone, in der sich Wisente und Przewalski-Pferde[1] ungestört ihren Angelegenheiten widmen können. Man munkelt, dass neben ihnen weitere Tiere den menschenleeren Raum nutzen.

Przewalski-Pferde / Fütterung nur durch unser Personal Pferd + Schatten = § Wildpferd auf Wiese Drei Przewalski-Pferde
Przewalski-Stuten säugen ihre Fohlen heimlich – eigentlich ist die Fütterung im Schaugehege nämlich nur dem Personal gestattet.

Die doppelt mit Elektrozäunen plus Wildzaun nahezu raptorensicher eingefasste Kernzone umgibt eine Naturerlebniszone mit Wanderwegen. Bei Elstal können Besucher die großen Bewohner der Döberitzer Heide in einem Schaugehege beobachten, was ein Berliner Freund, Migo und ich am 8. Juni 2013 auch taten. Das Hundetier und ich kannten uns wegen eines Besuches des Schaugeheges im Jahr 2007 schon etwas aus.

Ein Pferdeschweif scheint waagerecht in der Luft zu stehen. Pferdebegegnung 1 Pferdebegegnung 2 Pferdebegegnung 3
Begegnung – haben sich diese Pferde noch etwas zu sagen?

Przewalski-Pferde gelten als letzte überlebende Wildpferde der Erde. Das Wild in Wildpferd steht dabei nicht für temperamentvoll oder in freier Wildbahn lebend – es gibt durchaus einige temperamentvolle und verwilderte Hauspferde – sondern meint speziell eine ursprüngliche Form jener Tierart, aus der sich Hauspferde durch Domestikation entwickelten. Zebras und verschiedene Wildesel wiederum sind zwar „wilde“ Tiere der Gattung Pferd, werden aber von Zoologen als von Wildpferden getrennte Tierarten betrachtet.[2]

Przewalski-Stute mit Fohlen 4 Przewalski-Stute mit Fohlen 1 Przewalski-Stute mit Fohlen 2 Przewalski-Stute mit Fohlen 3
Grasende Stute mit Fohlen – letzteres hat offenbar zu lange Beine und einen zu kurzen Hals, um ans Gras zu reichen … Das Leben ist eines der schwersten.

Tatsächlich wurden selbst Przewalski-Pferde in freier Wildbahn ausgerottet. Mit Erfolg wird daran gearbeitet, aus einer kleinen, in Gefangenschaft erhaltenen Zahl Przewalski-Pferde wieder frei lebende Populationen der letzten Wildpferde aufzubauen. Ähnlich steht es um die Wisente. Im 20. Jahrhundert erlegte man das vorerst letzte frei lebende Wisent. Mittlerweile wurden durch Zuchtprogramme der wenigen in Gefangenschaft überlebenden Tiere wieder Wisente ausgewildert.

Wisentbulle Rothirsche im Schatten ОГНЕОПАСНО / НЕ КУРИТЬ / 1 / БЕНЗИН ВК-79 Wisent von vorne
Wisente und Hirsche – besonders schön ist der farbliche Kontrast der gelben Ginsterblüten zum grünen Eichenlaub, in dessen Schatten die Rothirsche ruhen.

Wer nach dem Motto „aller guten Dinge sind drei“ hofft, dass auch Rothirsche in freier Wildbahn ausgestorben waren, doch neuerdings wiederangesiedelt werden, wird enttäuscht. Rothirsche halten sich trotz Bejagung und Autobahnen nach wie vor in unserem Land. Als Dritte im Bunde kämen eher Rotarmisten infrage, von deren einstiger Anwesenheit noch gesundheitsförderliche Warnschilder zeugen. Über Pläne zur Wiederansiedlung von Rotarmisten ist mir allerdings nichts bekannt.

Zum Habitat der Rotarmisten gehörte eine weitere Elstaler Sehenswürdigkeit: das Olympische Dorf der Spiele von 1936.


[1]
Wem die Aussprache von Przewalski-Pferd schwerfällt, sei als Alternative Przewalski-Ross ans Herz gelegt.
[2]
Lesern, die das Gefühl haben, hier nicht komplett durchzublicken, möchte ich gratulieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie weniger irren als ein tief in der biologischen Systematik Verwurzelter, ist nicht gering. Unser Verständnis der Entwicklung des Lebens ist nämlich keineswegs abgeschlossen. Populäre Klassifikationssysteme beschreiben Verwandschaftsverhältnisse suboptimal. In einem „Baum des Lebens“ mit sich immer weiter verzweigenden Ästen lässt sich Hybridbildung, also die Entstehung eines neuen Zweiges aus zwei verschiedenen bestehenden Zweigen, beispielsweise kaum angemessen abbilden.

Kommentare

  1. Erneut ein sehr launig gelungener Beitrag.
    Dieser wird Heinz Sielmann freuen, wenn er mal wieder von oben ins Netz oder auch vorbei schaut.
    Es ruft in mir nach mehr – sind vielleicht noch Bilder und Texte von der Ostsee zu erwarten?

    >Vielen Dank< sagt
    Chris

  2. Bilder vom Baltischen Meer habe ich weder in petto noch in der Hinterhand, wie Hippologen zu sagen pflegen. Eines Tages wird sich das wohl ändern; bis dahin können wir nur auf einen Gastbeitrag Ostseereisender hoffen …

    meint Martin.