Salz in der Mauer

Mauer am Mönchort, Perleberg

Geht man dieser Tage durch Perleberg, findet man vielerorts weißliche Streifen oder Flecken an Mauern. Von den roten Backsteinen heben sie sich deutlich ab. Milch verschüttet? Schimmelpilz? Schmierereien? Nein, es handelt sich um Salz. Die Menge an Streusalz dürfte ganzjährig vorhandene Salzquellen wie im Boden enthaltene Mineralien und Urin weit übertreffen. Ins Auge fällt jedenfalls: Die Salzflecken finden sich dort, wo in den zurückliegenden Wochen Auftausalz gestreut wurde, um die Wege von Schnee zu befreien.

Häufchen Tausalz auf der Rampe von der Eichenpromenade zur Jahnstraße

Dabei ist in Perleberg das Streuen von Salz auf Gehwegen bis auf wenige Ausnahmefälle untersagt. Ausnahmen sind besondere Gefahrenstellen wie Strecken mit starkem Gefälle und außergewöhnliche Wetterphänomene wie Eisregen, bei denen weder Streuen von Sand noch Fegen die Sicherheit auf Bürgersteigen hinreichend gewährleisten.[1] Offenbar ist das grundsätzliche Verbot aber nicht jedem bekannt. Berechtigt ist es allerdings; Streusalz schädigt nicht nur Mauern, sondern auch Pflanzen und Tiere und lässt, nebenbei bemerkt, Autos schneller rosten.

Mauer in der Koloniestraße

Aus verschiedenen Ziegeln zusammengesetzte Mauern zeigen manchmal ein uneinheitliches Bild. Ein einzelner Backstein kann wie angemalt mit einer weißen Salzkruste überzogen sein, während die umliegenden verschont wirken. Das beweist jedoch nicht, dass ihnen das Salz nicht zusetzt – eventuell ist das Gegenteil der Fall. Das letzte Foto zeigt Ziegel, bei denen es zunächst aussieht, als wären ebenfalls einzelne äußerlich mit dem „Weißen Gold“ überzogen. Schaut man genauer hin, erkennt man aber, dass jenen Backsteinen das äußere Stück fehlt. Es wurde abgesprengt. Man sieht nun Salz, dass sich im Baumaterial sammelte.

Salzschaden in der Kurmärker Straße

In den umliegenden Backsteinen ist das nicht anders. Tatsächlich brach auch vom intakt scheinenden Ziegel mittig unter den beiden weißen die komplette Front weg, als ich vorsichtig meine Hand darauf legte. Die freigelegte Schicht sah klarer als darüber aus. Sie war vermutlich noch feucht. Entzieht man der Mauer das Salz nicht, wird es immer wieder Feuchtigkeit anziehen und das Bauwerk weiter zerbröseln lassen.


[1]
Siehe § 3, Absatz 2, der Satzung über die Straßenreinigung und den Winterdienst sowie die Erhebung von Straßenreinigungs- und Winterdienstgebühren in der Stadt Perleberg.

Kommentare

  1. Ich habe schön öfter davon gehört, dass Streusalz schlecht für den Boden ist, mir war aber nicht bewusst, dass es solche Schäden anrichten kann. Ich verstehe langsam, warum es geächtet ist.

  2. Ja, aber die Vorteile sollte man auch nicht aus den Augen verlieren. Gerade jetzt zur Osterzeit, wo man allerorts gekochte Eier im Grase entdeckt: Fundstück pellen, kurz an der nächsten Wand reiben, Appetit stillen. Schneller geht’s nimmer.