Perleberger Gebirgswelt
Spötter aus der benachbarten Kleinstadt Wittenberge pflegen Perleberg heiter Stadt der drei Lügen
(keine Perle, kein Berg, keine Stadt) zu nennen. Gerecht ist das nicht: Perleberg besitzt das Stadtrecht seit dem Jahr 1239, die Perle ist als eines der wenigen Wadis unserer Breiten imposanter als schnöde Perlmuttkugeln und die Perleberger Bergwelt vermag durchaus zu beeindrucken. Reicht letztere auch nicht an Matterhorn, Eiger oder Wettersteingebirge heran, zieht sie mit ihren zerklüfteten Steilwänden doch begeisterte Kletterer an. Die ganz Großen der Zunft stellen sich zwar selten in der Kreisstadt ein, aber ein Reinhold Messner kann eben nicht überall sein.
Für meine Fototour schlug ich das Basislager am Oldtimermuseum nicht weit entfernt von jenem Ort auf, wo sich die Stepenitzarme unterhalb der Altstadt wieder zu einem Strom vereinen. Zwischen der letzten Brücke über den flachsten Arm, Hagengraben, und dem Zusammenfluss pflegen Enten hier im seichten Wasser manchmal nachts zu ruhen.
Das Klettern liegt mir wenig, sodass ich durch keine Steilwand auf Gipfel oder Nebengipfel stieg, sondern mich auf das Fotografieren mit sicherem Stand vom befestigten Fußweg beschränkte.
Den Pflanzen scheint es ähnlich wie mir zu gehen. Ihr Bewuchs der dem Wind und Wetter ausgesetzten Oberflächen ist bestenfalls spärlich. In luftiger Höhe zeigen sich die Steilwände kahl.
Mutig wagen sich neben Alpinisten jedoch verschiedene Tiere ins schroffe Gelände. Mutig
– das ist freilich die menschliche Perspektive. Aus Sicht der animalischen Kraxler mögen die Vorsprünge in steilen Wänden ein recht sicherer Lebensraum sein, während aus dem Stepenitztal unter ihnen bedrohliche Gerüche und Geräusche mannigfaltiger Gefahren heraufwabern – nicht zuletzt von uns Menschen.