Wolfsburg: einmal ums VW-Werk

Fotos einer Wanderung mit Mathies und Migo am 19. November 2016

Mit dem Namen Wolfsburg braucht man nicht lange über ein tolles Tierlogo grübeln, hier zu sehen auf einem Rettungswagen der Berufsfeuerwehr. Das war 1938–1945 schwieriger, als die neu gegründete Stadt noch den minder poetischen Namen „Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben“ trug. Von den rund 340'000 KdF-Sparern erhielt keiner tatsächlich einen Kraft-durch-Freude-Wagen. Gebaut wurde stattdessen Kriegsgerät.
Das Heizkraftwerksduo Nord/Süd auf dem VW-Gelände gilt als Schummelzeichen* der Stadt Wolfsburg – hier aufgenommen von der Stadtbrücke. Leider ließ man uns am Ende der Brücke nicht von derselben hinab, weil Hunde offenbar die Treppe zum Weg nördlich des Mittellandkanals nicht benutzen dürfen. So mussten wir umkehren und unseren Weg südlich zwischen Mittellandkanal und Geländewagen-/Sicherheitsparcours fortsetzen.
Die Volkswagen-Arena spiegelt sich unscharf im Mittellandkanal. Diese hervorragende Ansicht wäre uns ohne vorheriges Hundeverbot entgangen. Interessant zu beobachten war, wie das Fahrgastschiff Hanseblick, welches kaum kürzer ist als der Kanal breit, in jenem flink wendete.
Bug des Binnenschiffs Anka auf dem Mittellandkanal
Herbstszene mit Binnenschiff und umsichtiger Beschriftung der Haltevorrichtung. Hiernach gelangten wir über die Allerseebrücke auf die andere Seite des Kanals und an Aller- und Arenasee mit seiner zu dieser Jahreszeit nicht in Betrieb befindlicher Wasserskianlange vorbei in Richtung der Burg Wolfsburg.
Kunst im Schlosspark mit Knobelei, wie das Spiegelbild entsteht.
Während wir Zweibeiner die alten Gemäuer der Wolfsburg fotografierten, sammelte Migo ruhend Kraft für kommende Kilometer. Tatsächlich wurde der Hundewagen erst spät besetzt, da Migo auch humpelnd das Interesse an der fremden Umgebung beibehielt.
Versteckt hinter einer Konifere beobachtet ein Mann die Blöße des aus der Borke geschlüpften Holzes. Die Kunstwerke in der Umgebung des Schlosses stammen zumindest teilweise aus der Zeit der niedersächsische Landesgartenschau 2004.
Verschilftes Ufer der einst kanalisierten Aller am VW-Werksgelände. Mathies ist zu verdanken, dass ich bei diesem Anblick im Süden des Stadtteils Kästorf an allerlei leckeren Käsekuchen denken muss, den wir kurz danach speisten.
Der Hundewagen passte geradeso zwischen die Geländer dieser und einer weiteren kleinen Holzbrücke an den Rohr- und Krojewiesen, die von zotteligen Rindern und Pferden offen gehalten werden.
Das Heizkraftwerk West muss sich kräftig anstrengen, wenn es so bekannt wie die Geschwister Nord/Süd werden will.
gebrochener und umgestürzter Baum
Das Ansehen des Volkswagenkonzerns in Zeiten der Abgasaffäre (Symbolbild). Altersschwäche, Blitzschlag und Softwaresünden sind allerdings nicht die einzigen Ursachen, welche Bäume an der Aller fallen lassen. Privatdetektiv Migo identifizierte auch Biberbiss – ein Zeichen, dass Renaturierungsanstrengungen hier erfolgreich sind.
Diese Nordwestecke des VW-Werksgeländes liegt auf dem Gebiet der Wolfsburger Nachbargemeinde Weyhausen. Rechts hinter den Bäumen befindet sich ein Testgelände mit Schnellbahn. Der VW-Konzern betreibt zudem etwa 25 Kilometer nördlich von Wolfsburg das Prüffeld Ehra-Lessien, eines der weltgrößten Testgelände für Autos, größer beispielsweise als die Stadt Lauenburg/Elbe.
herbstliche Blätter im Unterholz, beschienen von der tiefstehenden Sonne
Aller guten Dinge sind drei: herbstliche Blätter. Das freundliche Wetter an diesem Novembertag beförderte einen angenehmen Ausflug.
Gedenkstein mit der Aufschrift „Stellfelde / 300 m nordöstlich lag die alte Wallburg, errichtet von Bernward von Hildesheim – um 1000. Aus einem karolingischen Forsthof entwickelte sich die spätere Königliche Hannoversche Oberförsterei im Amt Fallersleben – abgebrochen 1962.“
Ein Stein östlich des Naturschutzgebietes Barnbruch erinnert mit einer Aufschrift an die einstige Wallburg und die spätere, ebenfalls abgebrochene Oberförsterei Stellfelde.
Reichlich Parkplätze säumten unseren Weg wie hier zur „blauen Stunde“ nahe des VW-Markenhochhauses. Wenig überraschend überwogen Volkswagen sowie andere Marken des Konzerns – Audi, Skoda, Seat – bei den Fahrzeugen in der Stadt.
Auf dem Wohnhochhaus in der Saarstraße 39 befand sich einst ein Café mit Aussichtsterasse. Das Haus entwarf der Hannoveraner Dieter Oesterlen.
Der Hauptbahnhof kurz vor dem Ansturm aus dem Stadion rückkehrender Fußballfans. Der VfL Wolfsburg unterlag dem FC Schalke 04 mit 0:1. Bei meiner Rückreise gen Osten (nächster Halt: Oebisfelde in Sachsen-Anhalt) war der Zug sehr gut gefüllt, aber ruhig und platzte nicht vor Fußballfans. Mathies durfte auf seinem Weg gen Westen in der Bahn mehr Fanatmosphäre schnuppern.
Wer vom Rotlicht angelockt auf Reiz- und nur Reizwäsche tragende Damen hofft, wird enttäuscht: Das Phæno ist ein wissenschaftliches Ausstellungs- und Ausprobierhaus.
Poren am Bauch des Phænos. Wie auch das Hochhaus in der Saarstraße 39 erhebt sich das Phæno auf Pfeilern über den Erdboden, wie ein Foto von Mathies zeigt. Entworfen wurde das Gebäude von Architektin Zaha Hadid. Ganz schön viel Beton …
„Autostadt“ ist der Name eines Themenparks / Auslieferungszentrums für Neuwagen /  Kommunikationsplattform des VW-Konzerns. Man kann aber auch ganz Wolfsburg eine Autostadt nennen – durch ihre Geschichte, durch Stadtplanung zur autogerechten Stadt, durch die Abhängigkeit von Volkswagen als Steuerzahler und Arbeitgeber.

* Vor dem VW-Abgasskandal war die Bezeichnung „Wahrzeichen“ üblich.