Juni 2016

Ein graziler Turm aus Schnecken
Abgelichtet im August des vergangenen Jahres: Golmer Schneckenturm – nicht von mir gestellt, sondern anscheinend von Schnecken selbst so errichtet und von einer Spinne persönlich beklettert.
Sind zwei Orte stets gleich weit voneinander entfernt?
„Die nächstgrößeren Städte sind Serta oder Gantze. Und diese beiden Städte liegen etwa gleich weit voneinander entfernt.“ – Diese Feststellung im Deutschlandfunk wirft eine interessante Frage auf …
Fünfzehn Fotos von Häusern in Wittenberge
Im April 2015 besuchten mein Vater und ich mit Migo Orte in Wittenberge, an denen Verwandte von uns einst lebten. Einige der Bilder zeigen jene Häuser, andere repräsentative Bauten.

British Summer

Union Jack in Herzform, daneben der Schriftzug „British Summer“
Perleberg, 25. Juni 2016

Bergkäsebegebenheit

Seit Ende Mai gibt es wieder einen Bioladen in Perleberg: am Gänsebrunnen/Wallgebäude. Nachdem der einstige Bioladen am Westende der Bäckerstraße vor Längerem schloss, fragte ich an der Käsetheke des hiesigen Famila-Marktes, ob sie Ruhner Bergkäse hätten, der mir aus dem Bioladen so gut gefallen hatte.

Leider hatten sie keinen und die Käseverkäuferin davon auch noch nie gehört. Ich erkundigte mich also, ob sie anderen Bergkäse aus der Region hätten, woraufhin mich die Dame verdutzt anschaute und mich fragte, woher der Bergkäse denn komme. Diese Frage verwirrte mich nun, denn das hatte ich doch gerade gesagt – hier aus der Region soll er kommen. Sie musste irgend etwas anderes gemeint haben und ich zuckte mit den Schultern.

Das Rätsel löste sie jedoch nicht auf, sondern sagte in etwa: „Hm, naja, wir haben aber andere Käsesorten, schauen Sie da mal.“ Erst als ich das Geschäft längst verlassen hatte, ging mir auf, dass sie als Antwort wahrscheinlich „aus den Bergen“ erwartet hatte. Sie wird mich, der in der Norddeutschen Tiefebene nach Bergkäse aus der Region fragte, wohl für einen Scherzkeks oder Trottel gehalten haben, doch die Gepflogenheiten der Anstellung erlaubten es nicht, meine Naivität durch Auflösung ihrer Frage bloßzustellen.

Der Ruhner Bergkäse stammte allerdings tatsächlich aus dieser Region. Die Ruhner Berge sind zugegeben­er­maßen nicht so bekannt wie das Matterhorn – und auch etwas kleiner – und so scheint der Verkäuferin die Existenz dieses auf gut 170 Meter über den Meeresspiegel reichenden Höhenzuges, von dessen Aussichtsturm man Teile Perlebergs bei klarem Wetter in der Ferne sehen kann, nicht bewusst gewesen zu sein.

Davon abgesehen finde ich bei aller Verwirrung im Rückblick betrachtet die ihr anscheinend innewohnende Annahme, Bergkäse müsse aus den Bergen kommen, liebreizend. Ob sie auch meinte, jeder Emmentaler sei von Schweizer Kühen im Kanton Bern gezapft, jeder Gouda von Clogs tragenden, blonden Holländerinnen gestreichelt und jeder Camembert in einer normannischen Brise gereift?

Quizquiz

Im Deutschen besitzt das übrigens bei Schlangen höchstbeliebte Wort „Quiz“ zwei Mehrzahlformen. Welche der folgenden Varianten sind laut Duden korrekt?





Perleberg, Juni 2015

Wegweiser in der Wilsnacker Chaussee, 6. Juni 2015
Blick von der Lotte-Lehmann-Promenade auf Häuser der Parchimer Straße, 25. Juni 2015
Stepenitzarm mit Hotel „Deutscher Kaiser“, 28. Juni 2015

Mathe in Google Chrome nur mit Krücken

This is height of bizarreness, a company that can build a driver less car can't implement MathML in browser. Go figure.Comment 117 by vinay.av...@gmail.com, May 6, 2016

MathML ist eine Auszeichnungssprache für mathematische Formeln. Das heißt, MathML ermöglicht, mittels Befehlen aus einfachen Zeichen, die wir auf allen mit lateinischen Buchstaben ausgestatteten Tastaturen finden, komplexe mathematische Ausdrücke zu beschreiben. Ein simples Beispiel: <msqrt><mn>2</mn></msqrt> steht für die Quadratwurzel aus zwei, $\sqrt{2}$.

MathML ist langatmig, aber man muss es nicht per Hand tippen. Es gibt Programme, die einem die Eingabe erleichtern oder andere Darstellungsformen wie LaTeX nach MathML übersetzen. MathML ist eine W3C-Empfehlung seit 1998, offiziell Bestandteil von HTML und ISO-Standard. MathML soll mathematische Formeln im weltweiten Netz lesbar machen, ohne sie in Form von Bildern einbinden zu müssen oder auf zusätzliche Programme wie die JavaScript-Bibliothek MathJax angewiesen zu sein.

Google Chrome gilt derzeit als meist genutzter Webbrowser der Welt. Google bzw. der Mutterkonzern Alphabet Inc. dominiert aber nicht nur den Browsermarkt, sondern stellt auch das dominierende Smartfon-Betriebssystem (Android), die größte Videoplattform (Youtube) sowie Suchmaschine (Google) und baut selbstfahrende Autos.

So ist nicht nur eine Ironie der Geschichte, dass mathematische Formeln bis heute nur mit Krücken im Netz dargestellt werden können, obwohl das World Wide Web am wissenschaftlichen Kernforschungszentrum CERN erfunden wurde. Es ist auch bizarr, dass Google zwar selbstfahrende Autos baut, aber es bis heute nicht schafft, MathML zur Darstellung von Matheformel im Browser zu interpretieren – oder sich ungeachtet der Standards nicht darum schert.

Kommentare

  1. 17:51, 1. Juli 2016

    Hm. Lateinische Konjugation. Der Pizza, Die Pix. Auf Französisch: Le mot croisé.

    Können Google-PrommiererInnen denn im Browser sehen, was sie programmieren?

    12.7.4.2

  2. 18:04, 1. Juli 2016

    Schau an. Auf https://de.m.wikipedia.org/wiki/Quiz steht, es könnte von lat. 'qui es' kommen. Noch heute wird im Französischen zwischen 'qui' und 'que' unterschieden - 'qui' steht als Subjekt wie in 'qu'est-ce qui est allé', was ist angekommen. Die Steigerung in den Plural wäre dann 'sont' - wie in 'qu'est-ce qui sont allés'.

    C'est très drôle ce qui s'est passé.

  3. 20:47, 1. Juli 2016

    @1: Gewiss. Warum sollten Programmierer sich nicht anschauen können, was sie programmieren?

  4. 20:58, 1. Juli 2016

    Ich gehe gern zu Quiz-Veranstaltungen.

  5. 21:47, 1. Juli 2016

    Bergkäse ist unheimlich spannend!
    Genauso geht es doch auch mir immer wieder – oder ähnlich.
    Meine Kaufhalle hat für mich keine, auch nicht eine Flasche meines Darguner Lieblingsbieres, auch keinen Vorrat des guten Colbitzer Heidegebräus. Mein Lauchstädter Brunnen steht ebenfalls nicht im Regal. An der Kasse, man sollte es kaum fasse, der Mann war noch nie in seinem Leben in Dargun, auch nicht in Colbitz. Er wusste bei meinem Quiz noch nicht einmal auf welchen Erdteilen die Orte D, C und L liegen mögen. Mir wurde, bei seinem Versuch diese Peinlichkeit zu umgehen, der Rat zuteil: "Nehm' Se doch Hamburger oder Münch'ner oder den goldnen Mittelweg – von den Berliner Sorten." In solch einem Fall des Unverständnisses zum Problem und dessen Lösung könnte eine freundliche Petition an die Geschäftsführung Wunder wirken: "Ordert doch bitte auch Gerstengeschäum aus D + C". "Ein Käufer wäre euch mindestens gewiss" – muss man ja nicht hinzusetzen. Versuch macht kluch. Den Rest bearbeitet die Marktforschung.

    Im Grunde meines Herzens verstehe ich die Hüterin der Käsetheke sehr sehr gut. Verlangt ein Kunde Käse aus der Region, so wird ihr damit indirekt kundgetan: Der Kunde kennt nur eine R. Die Verkäuferin aber weiß: Es gibt fast unendlich viele Regionen und so fragt sie bescheiden, den Kunden nicht verletzen wollend, woher denn bitte solch ein Käse kommen soll, quasi aus
    w e l c h e r Region und erhält nur nonverbales Schulternzucken als Bescheid.
    Nicht unbedingt "aus d e n Bergen" (ja aber bitte aus welchen? – Es gibt so sehr viele) hat sie als Antwort erhofft, sondern vielleicht: "Na, aus der Bergmeierei Ziegendorf oder aus Pritzwalk (der sahnige Wolfsmilchbergkäse) oder eben aus der Stadt Ruhn. Wer könnte sich schon rühnen oder brüsten, alle Ortsnamen in den Regionen zu kennen? Und der letztgenannte Orts-Begriff stammt noch dazu aus einem anderen Land, aus Meck.-Vorpommern. Irgendwie bedarf es doch einer konkreten Bestelladresse um Kundenwünsche erfüllen zu können.
    Und deshalb bitte Nachsicht. Nicht jeder kann alles wissen, was er nicht im Laden führt, denn mancher weiß schon nicht sicher, was er im Laden hat. Aber: Das ganze Leben ist ein Quiz.

    Das weiß ein märkischer Wandersmann.

  6. 22:25, 1. Juli 2016

    @2: Die Wortarchäologie ist eine edle Beschäftigung.

    @4: Schön!

    @5: Ich habe sehr gelacht bei diesen wahren Worten. Es hat mich ferner angeregt, nach dem Ruhner Bergkäse mittels Suchmaschine zu suchen, wodurch sich als Hersteller der Siebengiebelhof in Drenkow fand. Zu meiner Freude fand ich auf dessen Webseiten auch die Information, dass er seine Waren auf dem Perleberger Wochenmarkt feilbietet. Ich umgehe diesen meist, damit die Pfoten meines hündischen Begleites nicht zwischen den Ständen von begeistert auf die Produkte fokussierten Kunden getreten werden. Doch in der kommenden Woche werden wir es angesichts der Verlockung dann wagen. Auch Migo ist ein Freund des Käses.

    Martin

  7. 07:51, 2. Juli 2016

    Kann es nicht sein, dass du den Wochenmarkt meidest, da der fellige Begleiter, na sagen wir mal, vieles davon haben wollte?

    So schön philosophisch: Ich weiss dass ich es nicht hab'. Sokrates auf dem Markt in Griechenland. Insofern wäre die Verkäuferin noch in Platon's Höhle, wenn ihr die Erkenntnis fehlt, was sie nicht hat.

    Vlt muss man auch zum 'Händler von Venedig'?

    Der Schweizer Bauer

  8. 16:36, 2. Juli 2016

    Die Grenzen von Migos Appetit liegen in weiter Ferne; der Wunsch, sich Essbares einzuverleiben, ist groß. Das stimmt schon, @7. Enge und Gedränge, wie man sie manchmal auf gut besuchten Märkten findet, mag ich aber auch nicht. Das ist ein weiterer Grund für mich, nicht auf ihnen herumzustöbern, wenn ich nicht vorher schon weiß, was ich finden will.

    Beim Kaufmann aus Venedig hege ich wenig Hoffnung, Produkte aus der hiesigen Region erwerben zu können.

    Martin