Das Foto im Wunschformat
Seitenverhältnis in der Kamera einstellen oder Bilder später beschneiden?

Der Bildsensor in digitalen Fotoapparaten ist rechteckig mit einem festen Seitenverhältnis von Breite und Höhe, zum Beispiel 4:3. Trotzdem kann man in vielen Fotoapparaten andere Formate einstellen. Typisch ist die Auswahl zwischen 1:1, 4:3, 3:2 und 16:9. Auf dieser Seite zeige ich, wie die Kamera das macht und wie wir es anders machen können.

Abbildung 1: Foto im Format 16:9, Karl-Liebknecht-Straße 33 in Perleberg

Abbildung 1 zeigt ein Foto im Format 16:9, das ich mit einem Fotoapparat aufgenommen habe, dessen Bildsensor eigentlich ein Seitenverhältnis von circa 4:3 besitzt. (Statt 4:3 könnte man auch 16:12 sagen.)

Abbildung 2: Seitenverhältnis inklusive beidseitiger Schraffur 4:3, ohne Schraffur 16:9

Eine Kamera mit Sensor im 4:3-Format erzeugt ein Breitbild im Format 16:9, indem es einfach oben und unten einen Teil der aufgenommenen Bilddaten wegschneidet, wie Abbildung 2 illustriert.

Abbildung 3: Foto im vollen Sensorformat 4:3

Abbildung 3 zeigt, wie der Fotoapparat dieselbe Szene eigentlich sieht, bevor er oben und unten Streifen abschneidet. Wir könnten das Bild von der Kamera auch so im 4:3-Format speichern lassen und die Streifen oben und unten später am Rechner selbst wegschneiden. Aber warum selber machen, wenn die Kamera es automatisch erledigt?

Abbildung 4: Seitenverhältnis inklusive einseitiger Schraffur 4:3, ohne Schraffur 16:9

Wer die Schere selbst ansetzt, kann entscheiden, ob er oben und unten gleich viel wegnimmt. Wir können stattdessen auch asymmetrisch arbeiten, beispielsweise nur unten einen breiten Streifen wegnehmen.

Abbildung 5: Foto im Format 16:9 mit viel Himmel

Schneidet man vom obigen Foto nur unten einen breiten Streifen weg, erhält man das Haus mit viel Himmel und wenig Pflaster im Vordergrund: Abbildung 5. Interessanter ist allerdings die Möglichkeit, im Wissen um den späteren Schnitt den Fotoapparat schon bei der Aufnahme anders auszurichten.

Abbildung 6: Foto im Format 4:3 mit viel Hofpflaster

Mit dem Plan, später den unteren Bildteil wegzuschneiden, habe ich für Abbildung 6 wenig Himmel und viel Pflaster aufgenommen. Vor allem aber konnte ich den Fotoapparat dadurch waagerecht halten, anstatt ihn schräg nach oben zu richten. Deshalb ist das Haus hier nicht verzerrt – es gibt keine „stürzenden Linien“.

Abbildung 7: Foto im Format 16:9 ohne stürzende Linien

Das asymmetrische Beschneiden im Nachhinein ermöglicht so eine ähnliche Wirkung wie ein teures Shiftobjektiv. Vergleiche die Abbildungen 7 und 1, um zu entscheiden, ob Dir dieser Vorteil des nachträglichen Beschneidens gegenüber dem Einstellen des Seitenverhältnisses in der Kamera den Mehraufwand wert ist.


Eine Ausnahme bilden Kameras mit „Multiformatsensor“, die anders arbeiten.