Von Wanzer nach Wittenberge

In der Altmark ist Busfahren noch ein Abenteuer.

Mein Plan sah vor, mit meinem Hund von Wittenberge über die Elbe nach Sachsen-Anhalt zu fahren. Nach einem Umstieg in der alten Hansestadt Seehausen sollte es nach Wanzer gehen, um von dort zu Fuß und Pfote nach Wittenberge zurückzuwandern.

In den Bus 200 eingestiegen, der ins altmärkische Salzwedel fährt, bat ich um Fahrkarten ins altmärkische Wanzer.
„Was ist denn das?“, fragte der Busfahrer.
„Ein Dorf bei Pollitz“, meinte ich.
„Nie gehört. Versuchen Sie es mal da vorn“, sagte der Busfahrer und zeigte, wo die Prignitzer Busse abfahren. Aber nein, ich wollte nicht durch die Prignitz rollen, sondern in die Altmark und dafür stand ich im richtigen Bus. Erfreulicherweise ließ sich der Fahrer überzeugen, uns nach Seehausen mitzunehmen.

In den Ländern Brandenburg und Berlin gibt es für das gesamte Nahverkehrsnetz einen Tarifverbund. Mit einer einzigen Fahrkarte kann man von der Oder an die Elbe fahren, aus der Uckermark in den Spreewald oder aus der Lausitzer Tagebaulandschaft zum Berliner Fernsehturm.
In Sachsen-Anhalt ist das anders. Nicht einmal für die Altmark, die im Norden des Bundeslandes knapp ein Viertel der Landesfläche einnimmt, gibt es einen gemeinsamen Verkehrsverbund. Ein Busfahrer kann höchstens zufällig etwas zur Erreichbarkeit von Orten sagen, die von einem anderen Betrieb angefahren werden.

Am Seehausener Bahnhof ließ sich der Haltepunkt des Busses nach Wanzer schnell finden. Eine Digitalanzeige versicherte, dass er bald kommen würde. Nach wenigen Minuten hielt an einem anderen Haltepunkt ein Kleinbus einer anderen Linie. Die Fahrerin öffnete die Tür, und rief mir die Frage zu, wo ich hinwolle. Sie winkte uns zu sich und erläuterte, dass der Busfahrer nach Wanzer eine andere Route nehmen würde, weil das mit den Schulkindern sonst umständlich sei. So fuhr sie Migo und mich kurzerhand mit ihrem Bus zum anderen Bus, nachdem sie uns per Funk dort angekündigt hatte.

Nach dem Einsteigen in den dritten Bus wollte der Fahrer möglichst schnell los – er hätte andere Busse an der Haltestelle sonst auch blockiert – und so wurde ich mit meinem Fahrkartenwunsch später am Platz von einem Jungen bedient, der Geld und Fahrkarten hin und her trug. Danke! Im engen Bus wäre es mir mit Hund sonst schwergefallen.

Wanzer

Aulosen und Wanzer, zwei Ortsteile der Gemeinde Aland, bilden die Nordspitze der Altmark und damit die nördlichste Ecke Sachsen-Anhalts. Jenseits der Elbe liegt Brandenburg im Norden und Osten. Westlich schließt sich Niedersachsen an. Zwischen dem niedersächsischen Wendland und der Altmark verlief bis 1990 die innerdeutsche Grenze. Aulosen und Wanzer lagen in der Fünf-Kilometer-Sperrzone mit beschränkter Aufenthaltserlaubnis. Die Bewohner des benachbarten Dorfes Stresow wurden sogar umgesiedelt und ihre Häuser dem Erdboden gleichgemacht.

Tür der Kirche in Wanzer Kirche in Wanzer Migo im Gestrüpp Blick vom Weg Wanzer–Deutsch über Grünland nach Kahlenberge
Ortschaft Wanzer, Gemeinde Aland

Die älteste urkundliche Erwähnung Wanzers stammt aus dem Jahr 1309, als Johannes, Pfarrer von Wanzer, und Bruder Johannes von Aulosen mit Weiteren als Zeugen eines Vertrages genannt sind.[1]

Deutsch

Von Wanzer wanderten wir zunächst nach Deutsch. Deutsch ist Teil der Gemeinde Zehrental, die nach dem südlich des Ortes verlaufenden Zehrengraben benannt ist. Deutsch wurde bereits 1208 als „Duceke“ urkundlich erwähnt.[2] Doch dazu später mehr.

Wassergraben mit Entengrütze zwischen Wanzer und Deutsch Baum an der „Straße“ nach Deutsch Fenster der Kirche in Deutsch Straße nach Kahlenberge unter blauem Himmel
Ansichten aus Deutsch und Umgebung

Kahlenberge

Die Orte Wanzer, Deutsch und Pollitz bilden ein Dreieck, in deren Mitte einst das Rittergut Kahlenberge beziehungsweise Calenberge derer von Jagow lag. Kahlenberge existiert auch heute als Wohnplatz der Gemeinde Pollitz; von der historischen Anlage ist jedoch kaum etwas erhalten. Aus der Luft kann man den runden Burggraben von Kahlenberge allerdings noch gut erkennen.

Einhorn (Pferd mit Kletten in der Mähne) Kahlenberge Holztor zum Rittergut Schaukel an einem Ast Altes, neues Fundament auf dem Gelände des Rittergutes Turmstation in Kahlenberge
Kahlenberge mit Einhorn

Ziegelei

Nördlich von Kahlenberge lag eine Ziegelei; auch heute heißt der Wohnplatz so. Da Ziegel nicht nur aus Luft und Leidenschaft gebrannt werden, sondern hauptsächlich Lehm enthalten, finden sich bei alten Ziegeleien oft Aushubgruben, die heute mit Wasser gefüllt Teiche bilden und für den Fischfang genutzt werden. Ich gehe davon aus, dass es sich auch beim Ziegelbrack um solch ein künstliches Gewässer handelt.

Straße durch lichten Wald von Kahlenberge zur Ziegelei Wildgehege und Häuser am Wohnplatz Ziegelei Wo einst Ziegeleien betrieben wurden, findet man heute oft Teiche, hier mit Seerosenblättern. Mechanische Wasserpumpe Rastplatz am Ziegelbrack Straße von der Ziegelei nach Pollitz und Kahlenberge
Ziegelei bei Pollitz

Pollitz
und das Problem der urkundlichen Ersterwähnung

Pollitz ist mit Kahlenberge und Ziegelei ein Ortsteil der Gemeinde Aland, die ihrerseits Teil der Verbandsgemeinde Seehausen (Altmark) ist. Die sachsen-anhaltische Institution einer Verbandsgemeinde hat keine direkte Entsprechung in Brandenburg.[3]

Pollitzer Kirche Tür der Kirche in Pollitz Gelbe Blumen am Feldrand bei Pollitz Toter Baum am Weg am Alanddeich von Pollitz nach Osten
Pollitz

Zu Wanzer und Deutsch nannte ich Daten erster urkundlicher Erwähnungen. Mit voller Überzeugung vorgetragen könnte man meinen, dies sei eine klare Sache. Doch so einfach ist es nicht. Abgesehen davon, dass Urkunden verloren gegangen sein mögen, und ungeachtet dessen, dass gefälschte Urkunden in Umlauf gebracht wurden, ist bei authentisch erhaltenen Schriften oft fraglich, welcher heutige Ort mit einer Namensnennung gemeint ist. Vieles ist – und zwar teils abenteuerliche – Interpretationssache.

Manche sehen eine Ersterwähnung von Deutsch und Pollitz in einer Urkunde Ottos I. aus dem Jahr 937,[4] in welcher eine Handvoll Orte nördlich der Ohre aufgeführt werden.[5] Doch meinen „pelinizi“ und „dudizi“ tatsächlich Pollitz und Deutsch? Die Ortschaften liegen schon sehr weit von der Ohre entfernt. Andere Autoren identifizieren die Namen aus der Urkunde mit anderen Orten oder nehmen an, dass die genannten wüst wurden und heute verschwunden sind.

In einer Chronik von Pollitz findet sich als Jahreszahl für die Ersterwähnung 1208, das ich schon für Deutsch nannte.[6] Hier weiß ich nicht, ob der Autor „Potbadele“ als Pollitz interpretiert – Wilhelm Zahn identifiziert diesen Namen hingegen mit Puttball in Niedersachsen – oder den Hinweis auf Pollitz schon in der Nennung des Ortes Deutsch sieht. In der Chronik wird die These vertreten, Deutsch habe ursprünglich Deutsch-Pollitz geheißen, was wiederum in Abgrenzung zu Wendisch-Pollitz auch die Existenz jenes Ortes implizieren könnte.

1319 wird Pollitz schließlich als „Polnitz“ und „Polnitze“ erwähnt.[7]

Schafe und Ziegen

Von Pollitz wanderten wir den Alanddeich entlang nach Osten. Wie viele Hundert Jahre es ihn bereits gibt, vermag ich nicht zu sagen. Im Schmettau’schen Kartenwerk aus dem 18. Jahrhundert ist er als Teil eines umfangreichen Deichsystems eingezeichnet. Vermutlich setzte man auch damals auf Schafe und Ziegen, um die Vegetation kurz zu halten.

Nur Schafe oder Schafe mit Schiege? Reichlich Schafe und eine Ziege Ziegen vor Schafen Ziegenbock mit Schafen Schafe und Ziegen halten das Gras auf dem Deich kurz. Gruppenfoto: Schafe und Ziegen
Schafe, Ziegen und eventuell ein Mischwesen?

Der Aland

Dass ein nur knapp einhundert Kilometer langer Fluss in seinem Verlauf durch ein einziges Land drei verschiedene Namen trägt, kommt in Deutschland sicherlich nicht häufig vor. Beim Aland ist das der Fall. So liegen die altmärkischen Städte Gardelegen und Kalbe an der Milde, Osterburg an der Biese und Seehausen am Aland tatsächlich alle am gleichen Fluss.

Blick von einer Brücke über den Aland flussabwärts Blick von einer Brücke über den Aland flussaufwärts
Der Aland betrachtet von der Brücke bei Scharpenhufe

Bevor der Aland hinter der niedersächsischen Grenze bei Schnackenburg in die Elbe mündet, fließt er über viele Kilometer mit nur geringem Gefälle durch das Elbe-Urstromtal. Um bei starkem Elbhochwasser dennoch kein Einfallstor für Überschwemmungen zu sein, wie das auf der anderen Elbseite beim Stepenitztal der Fall ist, wurde Anfang der 1990er Jahre kurz vor der Grenze zu Niedersachsen ein Absperrbauwerk in Betrieb genommen.

Die Gänseburg

Von der Gänseburg bei Pollitz-Scharpenhufe zeugt heute ein baumbewachsener Hügel in einem Feuchtgebiet zwischen den Alanddeichen. Hier vermutet man den Stammsitz der Ritterfamilie Gans, die nach den Eroberungen unter Albrecht dem Bären im späten 12. und 13. Jahrhundert auf der anderen, Prignitzer Elbseite Besitztümer und entscheidenden Einfluss gewann. Der Putlitzer Familienzweig der Edlen Herren Gans besteht noch heute.

Blick vom Alanddeich: Die Gänseburg befand sich am Ort der Baumgruppe in der rechten Bildhälfte. Ehemalige Gänseburg mit Röhricht Röhricht mit auffälliger Streifung westlich der Gänseburg Über der Gänseburg kreisen Reiher. Feuchtgebiet östlich der Gänseburg
Es war einmal die Gänseburg

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts fiel die altmärkische Gänseburg durch Kauf mittelbar an die von Jagow, was Fehden nach sich zog, die auch August Höpfner in der Perleberger Reimchronik lyrisch verarbeitet hat.

Wahrenberg

Nicht nur Störche und Wahrenberger fühlen sich bei Wahrenberg wohl. Zwischen der Gänseburg und dem ebenfalls zur Gemeinde Aland gehörenden Elbdorf hingen Eichenprozessionsspinner an den Bäumen herum. Auf unserer Wanderung streiften wir Wahrenberg nur, sodass wir vom Dorf nicht viel sahen. Schaut man sich Wahrenberg aus der Luft an, offenbart es sich als ein sehr weitläufiges Haufendorf.

Hier fühlen sich Eichenprozessionsspinner zuhause. Die Brut des Eichenprozessionsspinners lässt sich im Gespinst hängen. Allee „Mietenberg“ in Wahrenberg Alpakas am Rande von Wahrenberg
Eichenprozessionsspinner bei Wahrenberg

Elbdeich

Von Wahrenberg aus orientierten Migo und ich uns wieder nach Osten, und zwar am und auf dem Elbdeich entlang. Wie auch auf der Prignitzer Elbseite gehört in der Altmark das Land am Fluss zum UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe. Irgendwo hier im Grünen überschritten wir die unsichtbare Grenze zum Territorium der Stadt Seehausen (Altmark) mit ihren Ortsteilen Geestgottberg und Losenrade.

Flaches Land der Altmark hinter dem Elbdeich Die tiefstehende Sonne wirft ein angenehmes Licht. Deichhinterland Migo schaut, ob ich etwas dagegen habe, dass er zum Wasser läuft. Klein im Hintergrund: Elbbrücken bei Wittenberge sowie Rathaus-, Kirch- und Uhrenturm der Stadt. Blick zurück über das Deichvorland zwischen Deich und Elbe und auf den Kirchturm von Wahrenberg Baumsilhouetten hinter dem Deich Labrador Retriever Migo mit Haselnussaugen
Am Elbdeich zwischen Wahrenberg und den Elbbrücken bei Wittenberge

Wittenberge

Bei Wittenberge kreuzen zwei Brücken die Elbe. Zusätzlich zur Bundesstraße 189 und der Eisenbahnstrecke Magdeburg–Wittenberge wird für den Neubau der Bundesautobahn 14 eine dritte Elbquerung geplant. Beide schon bestehenden Brücken sind jeweils mehr als einen Kilometer lang. Sie überspannen nicht nur die Breite der Elbe in ihrem normalen Verlauf, sondern ebenso einen Teil der Elbauen, die von der Elbe bei Hochwasser beansprucht werden.

Raben auf der Eisenbahnbrücke über die Elbe bei Wittenberge Dem hohen Stab auf dem Elbdeich fehlt der Querbalken, auf dem Greifvögel Platz nehmen können. Auf Holzbrettern gehen Fußgänger an der Eisenbahnbrücke über die Elbe. Ehemalige Veritaswerke in Wittenberge von der Straßenbrücke am Zusammenfluss von Karthane und Stepenitz
Von der Altmark nach Wittenberge in der Prignitz

Wittenberge liegt auf der Prignitzer Seite des Flusses. Die älteste als gesichert geltende Nennung Wittenberges stammt aus einer Urkunde zur Verleihung der Stadtrechte an Perleberg im Jahr 1239.[8]

Als wir nach einer Überquerung der Bahnlinie bei Eickerhöfe mit müden Beinen Wittenberge auf der Eisenbahnelbbrücke erreichten, brach die Nacht bereits an. Von einem anderen Besuch der Stadt aber stehen auch Fotos aus Wittenberge zu Verfügung.


[1]
Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis. Erster Hauptteil, 22. Band, Berlin 1862, Seite 20: „Nomina testium sunt hec Johannes Plebanus de Wancewere, frater Johannes de owlosen, …
Dennoch wird die Ersterwähnung von Aulosen auf der Netzpräsenz der Verbandsgemeinde Seehausen erst auf 1319 datiert.
[2]
Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis. Erster Hauptteil, 17. Band, Berlin 1862, Seite 2: „… quinque quadrantes in Potbadele, duos in Duceke, unum in Vilbom, …
[3]
Verbandsgemeinden in Sachsen-Anhalt sind Gebietskörperschaften und ihre Mitglieder die Bürger der Gemeinden auf ihrem Gebiet, während Ämter in Brandenburg Bundkörperschaften darstellen, deren Mitglieder die selbstständigen Gemeinden sind.
[4]
Vom Spiel ohne Grenzen bis zur Livemusik – Deutsch und Pollitz feiern am 14. Juli das 1075-jährige Bestehen ihrer Orte mit einem Dorffest. www.volksstimme.de, 5. Juli 2012, abgerufen am 17. Februar 2014.
[5]
Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis. Erster Hauptteil, 8. Band, Berlin 1847, Seite 90: „… ad praefatum locum pertinens habuimus ex aquilonali parte horaha fluminis in locis ita nominatus mosan, pelinizi, dudizi, wzoboro, velbpuchi, zelici, …
[6]
Ausführliche Chronik auf pollitz.de. PDF-Datei, Seite 4, abgerufen am 17. Februar 2014: „Eine erstmalige urkundliche Erwähnung findet das Dorf im Jahre 1208 im Zusammenhang mit dem heutigen Dorf Deutsch. Zu dieser Zeit bestanden zwei Ortschaften, die den Namen Pollitz führten. Zur besseren Unterscheidung nannte man die Orte nach ihren Bewohnern ‚Deutsch-Pollitz‘ und ‚Wendisch-Pollitz‘. Später fielen die Unterschiedsmerkmale weg, so daß die einen den Namen Pollitz und die anderen den Namen Wendisch einbüßten.“
[7]
Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis. Zweiter Hauptteil, 1. Band, Berlin 1843, Seite 433 f.
[8]
Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis. Erster Hauptteil, 1. Band, Berlin 1838, Seite 122 f: „… et testes secimus annotari, quorum nomina sunt hec: Prepositus de uittenberge, Johannes gans, Otto de Standale, …

Kommentare

  1. Ein ganz hervorragendes Werk in Wort und Bild. Ich selbst durchwanderte diese Region vor vielen Jahrzehnten und stieß dabei immer wieder an Grenzen, was auch mal ein freundliches Gespräch in konspirativer Umgebung "zur Klärung eines Sachverhaltes" nach sich zog.
    Herrlich, diese farbigen Bilder. Als ich damals diese Gegend durchwanderte, sah ich vieles wie auf einem Graufilm. Na ja, die spätherbstliche Witterung. Aber das Ortsausgangsschild von Pollitz zeigte sich beispielsweise schön gelb. Ohne schwarze Schrift die Auskunft über ein Nahziel hätte geben können. Auch an jener Stelle war unsere kleine Welt zuende.
    Und die Kahlenberger Ziegelei, d. h. das Seerosengewässer der Lehmgrube ist auch mir noch gut bekannt. Beste Grüße den damaligen Anwohnern, Familie Sandmann.
    In vielen alten Sakralbauten scheint die Luft von Jahrhunderten zu stehen – in Wanzer aber weht ein frischer Wind. Wie schön.
    Nicht gut, dass auch in Wahrenberg die Eichenprozessionsspinne in aller Munde ist. (Mein neuerer Kalauer).
    Herr Migo fragt, ob er zum Wasser darf? Eine seltene Artigkeit für einen Labrador und für eine Wasserratte – oder ein großer Erziehungserfolg.
    Wittenberge. Zu meiner Zeit ging damals der gesamte Verkehr über eine Brücke. Die Eisenbahn, die Autos, Menschen auf Fahrrädern – aber sortiert. Nicht alle zur gleichen Zeit. Die Dampflok der Deutschen Reichsbahn fuhr erst los, wenn ihr die Verkehrsampel grün zeigte. So war es gut.

    Besten Dank, Herr Martin Janecke, für diesen umfangreichen Ausflug,
    sagt Chris.

  2. Chris, das mit dem frischen Wind in Wanzer täuscht, insoweit als die Holzgittertür nur eine Vortür ist. Kaum einen Schritt hinter ihr versperrt einem eine massive Holztür den Weg. Ich habe mich gefragt – aber keine Antwort erhalten –, warum es die Vortür überhaupt gibt. Will man verhindern, dass in regenschwerer Nacht eine hochschwangere Frau sich hier vor dem Wetter kauern, vielleicht gar ihr Kind gebären kann? Das wäre nicht sehr christlich. Vielleicht will man Räubern die Möglichkeit nehmen, ihr unseliges Handwerk sichtgeschützt im Schatten zu vollbringen. Allerdings sieht der Schließmechanismus der Vortür eher geeignet aus, ehrlichen Bürgern den Zutritt zu verwehren als solchen, die auch einen Gesetzesbruch planen.

    Tatsächlich, Migo fragte, ob er zum Wasser darf. Erlaubnis wurde erteilt. Auf http://prlbr.de/8e sieht man ihn im kritischen Moment kurz vor dem Eintauchen. Dass dies tatsächlich geschah, belegt das obige Foto von ihm auf dem Deich mit nassem Bauch.

    Im Brandenburgischen Album – zu finden unter http://prlbr.de/ca – ist ziemlich weit unten, weil alphabetisch geordnet, die erste Elbbrücke bei Wittenberge abgebildet. Rätselhaft ist: Obschon auch hier eine Verkehrsteilung vorgesehen war, traute sich für Jahrzehnte keine Autofahrer über die Brücke, bis Mitte der 1880er Jahre die Holz- durch eine Stahlkonstruktion ausgetauscht wurde. Wieso nur?

    Vielen Dank fürs Ergänzen Deiner Erinnerungen,
    Martin

  3. Saarbrücken, den 9.August 2014
    Von Wanzer nach Wittenberge, das ist ein sehr interessanter Aufsatz in unserer heutigen, rasenden Zeit. Langsam sollte man gehen, versuchen vieles zu sehen und möglichst auch mit den Lebewesen sich zu unterhalten.In diesem Bericht ist dies spürbar. Meine Vorfahren mütterlicherseits hatten den Namen Hübener und waren Pastor in den Gemeinden Groß Wanzer und Dähre und Mechau. Pfarrhäuser waren in der Vergangenheit oft die Wiege vieler Kinder. Fünfzehn Geschwister gab es in der achten Generation der Hübener. Einer dieser Söhne war Ulrich Hübener,geb 1848 und gestorben 1932 in Lübz. Er war Pastor in Tacken, der Vater des späteren Ministerpräsidenten Ehrhard Hübener in Sachsen Anhalt in der ersten Nachkriegszeit nach 1945 und mein Urgroßvater.Unsere Gegenwart wird in dieser urwüchsigen Elblandschaft immer noch durch die ehrwürdigen Kirchenbauten an liberale Geistigkeit erinnert.Vielleicht ist auch diese Ergänzung 2014 nützlich und passend. Klaus Valentin

  4. Herzlichen Dank für Ihren Beitrag, Herr Valentin, er passt.

    Durch die verschneite Gemarkung Tacken – allerdings nicht durch das Dorf und an der Kirche vorbei, sondern knapp einen Kilometer weiter östlich – stapfte ich auch einmal auf einer Winterwanderung.

    Martin