Das Stepenitztal in der Perleberger Heide
während des Elbehochwassers im Juni 2013

Der Rudower See bei Lenzen ist meist der größte See des Landkreises Prignitz. „Meist“, weil zu Zeiten starken Elbhochwassers nördlich von Wittenberge das untere Tal der Stepenitz vollläuft. Wie im Juni 2013 übertrifft dann jene Wasserfläche die Ausdehnung des Rudower Sees.[1]

Am Vormittag des 11. Juni unternahm ich mit Migo von Perleberg aus eine Wanderung nach Süden durchs Stepenitztal und den benachbarten Forst in der Perleberger Heide.

Der Prignitz-Express fährt in den Bahnhof Perleberg ein. Stepenitz südlich des Perleberger Stadtgebietes Schaf Bäume und Grasland im Stepenitztal Seltener Anblick: Kiefer im Stepenitztal Ein kleiner Hügel ragt aus dem Stepenitztal.
Von Perleberg durch die Stepenitzniederung

Die waldreiche Perleberger Heide erstreckt sich in der Prignitz parallel zur Elbtalniederung. Zwischen Perleberg und Wittenberge wird die Heide vom Tal der Stepenitz durchschnitten, das von offenem Grünland mit vereinzelten Bäumen geprägt ist. In Wittenberge mündet die Stepenitz in die Elbe.

Karte 1: Die Elbe trennt das niedersächsischen Wendland sowie die sachsen-anhaltische Altmark auf der einen Seite von der brandenburgischen Prignitz mit den Städten Wittenberge und Perleberg sowie der langgestreckten Perleberger Heide auf der anderen Seite.[2]

Die Stepenitzniederung ist grundsätzlich flach, südlich von Perleberg finden sich aber auch einige kleine, in ihrer klaren Abgrenzung auffällige Hügel. Am rechten Bildrand eines Fotos ist eine solche Erhebung zu sehen.

Blütenstand des Leimkrautes mit weißen Blütenblättern Die Blutzikade verdankt ihren Namen ihrer Färbung. Sie ist kein Blutsauger. Tautropfen in einem Gespinst Libelle Das Stepenitztal südlich von Perleberg weist eine offene Wiesenlandschaft auf. Samenstand einer Weide
Leben im Stepenitztal – siehe auch: Spinne.

Zwischen Perleberg und Wittenberge ist die Niederung der Stepenitz Teil des UNESCO-Biosphärenreservats Flusslandschaft Elbe, welches sich neben Brandenburg auch in Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt erstreckt. Die Fläche des Reservates ist größer als das Bundesland Saarland.

Wasserweg Migo hat Spaß an der Überschwemmung des Weges. (1) Migo hat Spaß an der Überschwemmung des Weges. (2) Migo hat Spaß an der Überschwemmung des Weges. (3)
Migo hat Spaß an den ersten Ausläufern der Überschwemmung, die auf dem Weg sichtbar wird, während man den Wiesen nicht ansieht, dass ihre Pflanzen im Wasser stehen. Während das Wasser hier anfangs noch relativ sauber wirkte – vermutlich hauptsächlich frisch rückgestautes Stepenitzwasser – änderte sich das nach einigen Schritten.

Am 9. Juni 2013 wurde mit 7,85 Metern in Wittenberge der bislang höchste Wasserstand der Elbe gemessen. Bei unserer Wanderung zwei Tage später waren es noch immer über 7,70 Meter. Zum Vergleich: Der mittlere Wasserstand beträgt 2,77 Meter.[3]

Karte 2: Hier ist das von offener Wasserfläche überdeckte Areal auf Grundlage von Satellitendaten blau grob markiert. Von Vegetation (z. B. Waldstücken wie westlich der Perleberger Straße in Breese) überdeckte Überschwemmungsflächen sind nicht dargestellt.[4] Kleine Inseln im Überschwemmungsgebiet habe ich nicht im Detail eingezeichnet.

Da die untere Stepenitzniederung kein großes Gefälle aufweist, fließt die Elbe beim Anwachsen auf solche Wasserstände das Stepenitztal aufwärts und die Stepenitz staut sich zurück. Die offene Wasserfläche des so entstandenen Sees erstreckte sich durch die Gemeindegebiete von Wittenberge, Breese, Weisen und darüber hinaus eineinhalb Kilometer weit in die unbewohnte südliche Feldmark der Kreisstadt Perleberg.

Beginn der offenen Wasserfläche im überschwemmten Stepenitztal Weg im Perleberger Stadtforst mit Labrador Retriever Blick vom Wald ins überschwemmte Tal mit Hochsitz Unidentifiziertes Waldblümchen Überschwemmtes Stepenitztal Waldboden mit Zweiblättrigen Schattenblumen
Parallel zum Tal unter Wasser gingen wir durch den Perleberger Stadtforst.

Migo und ich wechselten am Beginn der offenen Wasserfläche in den höher gelegenen Perleberger Stadtforst (Karte 2, Stelle A) und setzten unseren Weg parallel zum Überschwemmungsgebiet fort. Sieht man den Röhricht am Rand der Wasserfläche, könnte man denken, dass der tatsächlich nur wenige Tage junge See ein etabliertes Ökosystem wäre. Die Uferpflanzen siedeln in Wirklichkeit aber an und in Wassergräben, die in der Niederung angelegt wurden.

Migo auf dem Weg durch den Perleberger Stadtforst Insel im Überschwemmungsbgebiet – Finden Sie den Weißstorch? Überschwemmung oberhalb des Wehres bei Weisen Spinnennetz
Idylle, während wenige Kilometer talabwärts Häuser im Wasser stehen

In einer Teleaufnahme kann man am rechten Bildrand einige Häuser des Ortes Weisen sehen. Die am linken Bildrand aufragenden Metallstäbe gehören zum Stepenitzwehr bei Weisen, an dem Migo und ich im Frühjahr 2011 einmal entlang spazierten. An diesem Junitag aber kehrten wir dem Stepenitztal bald den Rücken (Karte 2, Stelle E), denn weiter flussabwärts, wo Einwohner und Helfer um Hab und Gut bangten – im Breeser Stepenitzgrund leider vergeblich –, brauchte es keine herumstolpernden Wanderer.

Migo im Sand Ast, bewachsen mit Flechten Hier geht’s ohne Boot nicht weiter. Blindschleichen sind weder blind noch Schlangen. Blaubeerpflanzen Fliege in einem Korbblütler, vermutlich aus der Unterfamilie Cichorioideae
Leben in der Perleberger Heide

Selbst in diesem Juni, da bei Wittenberge der höchste Wasserstand seit Beginn der Messungen aufgezeichnet wurde, war die Elbe ein Rinnsal im Vergleich zum Elbe-Urstrom, der hier vor mehreren Tausend Jahren floss, als Gletscher der letzten Eiszeit schmolzen. Unmengen von Sand führte der Strom damals mit und lagerte ihn ab. Die Perleberger Heide ist eine solche hauptsächlich ebene Talsandfläche. Höhenunterschiede ergeben sich durch aufgewehte Dünen und tiefer eingeschnittene Flusstäler wie jenes der Stepenitz.

Kiefern-/Blaubeerwald Vermutlich zwei Gartenlaubkäfer bei der Paarung Typischer Anblick: Kiefern in der Perleberger Heide Wasserpflanzen am Rand des Stepenitztales Farn-/Kiefernwald Wegweiser; auf der Seite links sind in Blickrichtung Gr. Breese 3,2 Km, darüber entgegensetzt Perleberg 5,8 Km ausgewiesen.
Im Perleberger Stadtforst herrschen Kiefern vor …

Die sandigen Böden der Heide sind nährstoffarm und für den Ackerbau kaum geeignet, sodass in ihr vor allem Forstwirtschaft mit anspruchslosen Bäumen wie Kiefern betrieben wird.

Buchen Bäume am Jeetzbach Brandenburger Landesstraße 10 von Bad Wilsnack nach Perleberg Insekt
… an einigen Stellen finden sich auch andere Baumarten.

[1]
Die Elbe selbst nimmt bei extremem Hochwasser in ihrem Verlauf zwischen den Deichen eine Fläche ein, welche jene des überfluteten Stepenitztales bei Weitem übertrifft. Doch die hochwasserführende Elbe ist ein Fließgewässer, das dabei überflutete Stepenitztal hingegen ein Stehgewässer, weshalb ich nur das Letztere mit einem See vergleiche.
[2]
Lizenzinformationen zur Karte finden sich auf OpenStreetMap.org, der gewählte Ausschnitt unter http://www.openstreetmap.org/#map=10/53.0391/11.8302.
[3]
Daten von der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes auf PEGELONLINE, abgerufen am 11. Juni 2013.
[4]
Lizenzinformationen zur hier graustufig dargestellten Karte finden sich auf OpenStreetMap.org, der gewählte Ausschnitt unter http://www.openstreetmap.org/#map=13/53.0149/11.7868. Für die hellblau eingezeichneten Überschwemmungsflächen habe ich mich an der Karte „Deutschland Hochwassersituation 09. Juni 2013 – Betroffene Fläche P28 - Wittenberge - Detail“ des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt orientiert. Siehe http://www.zki.dlr.de/de/article/2374 für weitere Karten zum Juni-Hochwasser 2013.

Kommentare

  1. Schönen Dank für die herrlichen Aufnahmen und die fundierten Erläuterungen. Dabei geht dem Wandersmann das Herz auf.

    Herzlich,
    Chris

  2. Danke fürs Lob, Chris.

    Martin