Über den Dächern von Perleberg

Das erste der folgenden Fotos zeigt die St.-Jacobi-Kirche auf dem Kirchplatz in Perleberg. Ich nahm es am 16. Oktober auf. Alle weiteren Bilder wurden am 5. Oktober aus den Fenstern des Turmgiebels der Kirche fotografiert, von wo aus man einen guten Blick über die Stadt hat.

Der Turm kann nach Anmeldung im Pfarramt bestiegen werden. Vom Turm aus ist auch eine Innenbesichtigung des Daches über dem Kreuzrippengewölbe der Kirchenschiffe möglich. Mein Vater, zwei andere Besucher und ich wurden freundlich begleitet und kamen in den Genuss vieler interessanter Informationen zur Geschichte der Kirche und Stadt. Danke!

St. Jacobi und Rathausturm in Perleberg vom Hagen fotografiert.
St. Jacobi
St. Jacobi ist die älteste erhaltene Kirche Perlebergs. Erwähnt wurde sie bereits 1294, wie die Perleberger Reimchronik über St. Jacobi berichtet. Bis zum Brand im November 1916 war ihr Turm deutlich höher. Ein Stahlstich des Großen Marktes im Brandenburgischen Album zeigt dies. Mehr über St. Jacobi auf www.kirchenkreis-prignitz.de
Aussicht gen Ostsüdosten
Am linken Bildrand ist der Backsteinbau des Gottfried-Arnold-Gymnasiums zu sehen. Der Funkturm rechts der Bildmitte steht auf dem Gelände der Polizei. Links dahinter zeigt sich das Kreiskrankenhaus mit seinen gelben Fassaden und flachen roten Dächern. In der rechten Bildhälfte geht der Blick die Bäckerstraße entlang.
… gen Südsüdosten
Links noch einmal die Bäckerstraße. In der unteren Bildmitte stößt sie auf den Schuhmarkt. Markant ist das Haus Bäckerstraße 1. Entfernt in der rechten Bildhälfte liegt die Plattenbausiedlung. Davor, etwas hinter Bäumen versteckt: Haus 2 des Gottfried-Arnold-Gymnasiums.
… gen Süden
Links unten im Bild liegt der Schuhmarkt. In der Bildmitte ist die neu gepflasterte Fläche namens Rosenhof zu sehen, auf der Mitte 2010 noch archäologische Grabungen stattfanden. Im Mittelalter war der heutige Rosenhof laut Reimchronik auch Standort des Schlosses in Perleberg.[1]
… gen Südsüdwesten
Am unteren Bildrand mündet die kurze Straße Mönchort in den Schulgang. Mittig steht markant die Schule an der Stepenitz, rechts davon die katholische Kirche. Im Hintergrund erstreckt sich der Perleberger Stadtforst, in dem sich auch der Tierpark Perlebergs befindet.
Aussicht gen Westnordwesten
Eben aus dem Süd-, nun die Aussicht aus dem Nordfenster: Links hinter den Plattenbauten liegt der Festplatz an der Quitzower Straße, ein ehemaliger Exerzierplatz, wo heute zum Beispiel Zirkusse haltmachen. In der Bildmitte: die kleinen Häuser an Kolonie- und Lindenstraße.
… gen Nordwesten
Die Bildmitte zeigt das Amtsgericht Perleberg. In rot und gelb erheben sich dahinter mit leeren Fenstern alte Kasernen, die auf neue Nutzung warten. Im Hintergrund rotieren die Windturbinen bei Quitzow.
… gen Nordnordwesten
In der Bildmitte lugt der Westarm der Stepenitz hervor. Rechts hinter dem Fernmeldeturm darüber befindet sich das Umspannwerk Perleberg. In der Bildecke rechts unten findet sich ein Ort namens Wiederkehr.
… gen Nordnordosten
Etwas rechts der Bildmitte steht der Backsteinbau des ehemaligen Postamtes, der hier nur von der Seite zu sehen ist. Links dahinter fehlt dem brandgeschädigte Hinterhaus von Hoffmann’s Hotel das Dach. Im Hintergrund laden die Weinberge zum Wandern ein.
Bäckerstraße 1, Perleberg.
Bäckerstraße 1 🌐
Vor der Wiedervereinigung Deutschlands fand sich in diesem Wohn- und Geschäftshaus am Schuhmarkt eine Poliklinik.[2] Heute findet man im Erdgeschoss eine Drogerie und eine Apotheke.
Das Karree Mönchort, Schuhmarkt, Wittenberger Straße und Schulgang in Perleberg.
Mönchort 🌐
Im Vordergrund liegt die Straße Mönchort zwischen Schuhmarkt links und Schulgang rechts. Hier sitzt das Stadt- und Regionalmuseum Perleberg. Das Museum selbst blickt bereits auf eine über 100-jährige Geschichte zurück – gegründet wurde es 1905. Mehr übers Stadt- und Regionalmuseum auf www.stadt-perleberg.de
Die katholische Kirche Mariä Unbefleckte Empfängnis in Perleberg.
Katholische Kirche, Wittenberger Straße 80, Zugang über Gartenstraße 🌐
Seit dem 16. Jahrhundert ist Brandenburg protestantisch geprägt – die Perleberger Reimchronik berichtet von der Reformation. Erst im 19. Jahrhundert entstanden in der Prignitz wieder katholische Gemeinden. Die Kirche „Mariä Unbefleckte Empfängnis“ gehört zur Pfarrgemeinde St. Heinrich. Mehr Informationen auf www.dekanat-wittenberge.de
Kolonie- und Lindenstraße 🌐
Während es im historischen Stadtkern auf der Stepenitzinsel nur wenige Gärten gibt, wohnt man unmittelbar darum mit eigener Erholungs- und Anbaufläche hinter dem Haus. Die Bürger der Innenstadt und der Mehrfamilienhäuser im Außenbereich können die zahlreichen Schrebergärten nutzen.
Das Amtsgericht in Perleberg.
Amtsgericht Perleberg, Lindenstraße 12 🌐
Die Gerichtsbarkeit in Perleberg hat Tradition. Die Perleberger Reimchronik erzählt vom steinernen Roland auf dem Marktplatz beispielsweise, dass dieser seinen hölzernen Vorgänger 1546 anlässlich der Einrichtung eines Landgerichts für die Prignitz ersetzte. Informationen zum heutigen Amtsgericht auf www.ag-perleberg.brandenburg.de
Wiederkehr, Heilige-Geist-Straße 5–9 🌐
Der Name „Wiederkehr“ kommt wahrscheinlich von „Kehrwieder“, einer norddeutschen Bezeichnung für eine Sackgasse. Eine Sackgasse stellt dieser kleine Platz am Ende der Heilige-Geist-Straße auch dar. In der Bildmitte ragt ein Stadtmauerrest an der Ecke des ruinösen Gebäudes in die Grasfläche.
Hoffmann’s Hotel, Am Hohen Ende 25 🌐
Laut Tafel am Vorderhaus von Hoffmann’s Hotel[3] wurde dieses gegen 1750 erbaut. Von 1942 bis 1945 unterbrach man den Hotelbetrieb und nutzte es als Lazarett. Endgültig endete die Funktion als Gasthaus 1947. Im Januar 2010 gab es zwei Brände – der zweite machte das Gebäude unbewohnbar.[4]
Das ehemalige königliche Postamt von der Seite gesehen.
Postamt, Am Hohen Ende 27 🌐
Das Gebäude des ehemaligen kaiserlichen Postamt wurde 1896 eingeweiht und diente bis ins Jahr 2000 seinem ursprünglichen Zweck.[2] In ihm und in der unmittelbare Umgebung wurden große Teile des ZDF-Fernsehfilms „Beate Uhse – das Recht auf Liebe“ gedreht.
Fachwerkhäuser am Kirchplatz in Perleberg.
Kirchplatz 9–12 🌐
Im Halbkreis gruppieren sich um die Kirche St. Jacobi zwölf schmucke Häuser und fassen damit den Kirchplatz ein. Die offene Seite des Platzes geht in den Großen Markt über, auf dem Rathaus und Rolandstatue stehen.

Die Ebene im Turm St. Jacobis, von der aus ich die Fotos aus zwei Fenstern aufnahm, liegt bei etwa 40 Metern über dem Kirchplatz. Insgesamt reicht der Turm 49 Meter hinauf.

Ein Förderverein zum Wiederaufbau der Turmspitze setzt sich dafür ein, dass der Kirchturm wie vor dem Brand von 1916 wieder einen Aufsatz erhält und dann rund 80 Meter emporragt. Wenn dies geschafft ist, wird sich eine noch bessere Rundumsicht über die ganze Stadt bieten.


[1]
In anderer Literatur wird das Schloss in Perleberg dort verortet, wo heute das Wallgebäude steht. So zum Beispiel in der Broschüre Perleberg entdecken, siehe unten.
[2]
Perleberg entdecken – Rundgang durch die Altstadt, Broschüre der Stadtinformation Perleberg, 2004.
[3]
Die Schreibweise mit Apostroph übernahm ich vom Schriftzug am Haus. Sie ist vermutlich historischen Ursprunges.
[4]
Bericht auf http://www.internetwache.brandenburg.de/sixcms/detail.php?id=10133141 vom 18. Januar 2010, abgerufen am 22. November 2011.