Splitter, August 2011

379 – 2011-08-01, 12:25 Uhr

Ich habe mich entschlossen, die Bildung der Jugend zu fördern: Den ganzen August und September über haust hier neben Migo und mir ein Student, der im Rahmen seines Studiums ein Praktikum im DDR-Geschichtsmuseum Perleberg macht. Vorgestern ist er auf dem von Christoph seinerzeit wohnlich gestalteten Dachboden im Nebengebäude eingezogen.


380 – 2011-08-04, 23:00 Uhr

Soeben habe ich den zweiten Suchlauf nach animals.txt-Dateien angestoßen. In den nächsten zweieinhalb Wochen werden die nach heutigem Stand wiederum laut Alexa eine Million meistbesuchten Domains abgefragt.


381 – 2011-08-08, 9:25 Uhr

Sprachliche Eigenheiten aus meiner Familie: Wenn Ellen darauf hinweist, dass man beim Gehen oder Laufen seine Arme stärker bewegen sollte – sie legt auch Wert auf Gymnastik – spricht sie von den Armen gern als „Schwingkölbchen“.


382 – 2011-08-14, 13:10 Uhr

Seitdem ich einen Käscher zu diesem Zweck habe, konnte ich vermehrt Insekten lebendig aus dem überdachten Innenhof und Haus tragen, darunter zwei Tagfalter, Fliegen und auch Schnaken. Dazu mag auch beitragen, dass ich wegen Besuchen und Untermieter öfter geöffnete Türen habe, durch die mehr wirbellose Flugtiere eindringen können.

Auch Spinnen setze ich weiterhin aus. Dafür brauche ich aber keinen Käscher.


383 – 2011-08-21, 8:40 Uhr (Sonntag)

Am Montag fuhren Migo und ich nach Hamburg, am Freitag kehrten wir zurück. In den kommenden Tagen werde ich von dieser Reise noch Fotos hochladen.

Heute Morgen fiel mir auf, dass die Brücke am Perleberger Wallgebäude nun auf der Seite stromabwärts gestützt wird. Schon lange hatte ich den Eindruck, dass diese Brücke auf jener Seite merkbar federt, während sie auf der anderen Seite stabiler wirkte.


384 – 2011-08-23, 16:25 Uhr

Das ist nicht lustig, Netto! Du gibst nun 10 % Rabatt auf Bioprodukte wie den von mir gekauften Liter Soja-Reis-Getränk. So weit, so gut. Dass Du den Preis im gleichen Zug von 89 auf 99 Cent erhöht hast, offenbart das allerdings als Veralberung der Kunden.


385 – 2011-08-23, 23:59 Uhr

Erst vor Kurzem habe ich mich für die Diskussionsforen bei heise.de registriert und mir heute bereits mit meinem zweiten Beitrag einen Rüffel eingeholt. Das kam so:

Peter Mühlbauer schrieb in seinem Telepolis-Artikel „Masochismus und Verzichtsideologie“, Untertitel „Über Jean-Jacques Rousseau, den Pol Pot der Philosophie“ unter anderem das Folgende:

Im Alter von 11 goutierte Rousseau eine Tracht Prügel seiner Lehrerin Madame Lambercier so sehr, dass diese bei ihm mehr Sehnsucht nach als Angst vor einer Wiederholung hinterließen. […]

Man hat keine besonders große Mühe, diesen Masochismus auch in der Verzichtsideologie zu erkennen, die sich wie ein roter Faden durch sein Werk zieht, in dem er unter anderem die Theorie aufstellt, dass Fleischkonsum zu charakterlicher Grausamkeit führt. Jedoch muss man Rousseau (anders als heutigen Vertretern dieser Idee) zugutehalten, dass Hitler und Himmler erst lange nach ihm lebten. […]

[Rousseaus] Ideologie findet sich heute sowohl bei Teilen der Grünen als auch bei Thilo Sarrazin. Sie fordert den Verzicht nicht als persönliche Option für ein ungewöhnliches Genussempfinden, sondern als Wir-Imperativ für die gesamte Menschheit: "Wir müssen" - weniger heizen, kalt (oder gar nicht) duschen, weniger Fleisch essen, weniger Technologie einsetzen et cetera.

Ich notierte daraufhin unter der Überschrift „Herr Mühlbauer frisst sicher Kinder …“ den Beitrag:

… denn eine Entscheidung wider den Kannibalismus ist doch nur eine weitere dieser faschistisch-masochistischen Verzichtsideologien.

Mein Beitrag wurde gesperrt und am Abend erreichte mich diese E-Mail der Foren-Administration:

Hallo,

bitte achten Sie unseren Nutzungsbedingungen entsprechend auf die Netiquette und einen höflichen und respektvollen Umgangston. Das Provozieren anderer User ist nicht im Sinne einer sachlichen Diskussion.

Mit freundlichen Grüßen
heise online
Foren-Administration

Ich beantworte sie so:

Hallo Foren-Administration:

Mit meinem Beitrag beabsichtigte ich, die Äußerungen des Autors über den Vegetarismus bzw. seine moralphilosophische Grundlage aus Rousseaus Sicht und dabei insbesondere den logisch fehlerhaften, polemischen Hitler- und Himmlerbezug des Artikels zu spiegeln. Was den Autor darüber hinaus zum Vergleich eines freilich kontroversen Philosophen mit Pol Pot trieb, einem weiteren Massenmörder des 20 Jahrhunderts, macht sein Artikel nicht deutlich. Ich nehme an: Er wollte provozieren.

Meine Absicht war nicht zu provozieren oder zu polemisieren, sondern dem Autor den Spiegel vorzuhalten.
Spiegelt man Polemik, ist das Ergebnis zugegebenermaßen ebenfalls polemisch.

Ihrem freundlichen Hinweis folgend habe ich mir die Nutzungsbedingungen des Forums noch einmal angesehen und verinnerlicht, dass Nutzer auf „Provokationen und unnötige Polemik“ verzichten sollen, derer ich mich hier zweifellos – wenn auch nur als Nebeneffekt meines eigentlichen Ansinnens – schuldig gemacht habe. Ich gebe mir Mühe, in Zukunft dem Anspruch des Forums besser gerecht zu werden.

Ich würde ich mich freuen, wenn auch in Telepolis-Artikeln auf unnötige Polemik wie deplatzierte Hitlervergleiche verzichtet werden könnte.

Mit Dank für Ihren Hinweis und freundlichen Grüßen
Martin Janecke

Und was stimmt logisch mit dem Hitlerbezug nicht? Nun, er funktioniert hier bestenfalls äquivalent zur Argumentation „Alkohol am Steuer führt gar nicht zu Verkehrsunfällen, denn Hitler hat auch mal einen Unfall verursacht und war nicht betrunken“. Herr Mühlbauer suggeriert, die Aussage, es gebe ein B mit $B\land\lnot A$, impliziere die Aussage $\lnot(A\rightarrow B)$. Das ist schlicht falsch. Tja, Hauptsache Vegetarismus und Hitler in einem Atemzug genannt und am Ende noch in eine Reihe mit Technologiefeindlichkeit gestellt, dann braucht es scheinbar keine Begründung mehr fürs Abkanzeln der Rousseau’schen These zum Fleischkonsum.


386 – 2011-08-26, 0:10 Uhr

Am zurückliegenden Tag habe ich an dieser Website die Phodoku-Verarbeitung vereinfacht. Phodoku – das ist ein XML-Format, in welchem die Daten für „Fotoalben“ wie jenes der Wittenberge-Wanderung hinterlegt werden. Es handelt sich dabei um das einzig wirklich nennenswerte technische Überbleibsel der alten Perlebär.de-Seite, welches nach dem Umbau im Herbst 2010 abgewandelt erhalten blieb, da die einfache Auszeichnungssprache Aneamal für solche Fotoalben allein nicht gut geeignet ist.

Gänzlich rausgeworfen aus der Phodoku-Verarbeitung habe ich die einst in PHP selbst zusammengefrickelte Template-Engine. Denn wie Herr Lerdorf von Zeit zu Zeit erinnert: PHP selbst ist eine Template-Sprache. Nun ist die HTML/PHP-Vorlage zwar ein Stückchen länger, das Programm aber einfacher und gewiss auch schneller.


387 – 2011-08-30, 21:20 Uhr

Auf dem Weg zum Pflaumenpflücken streifte Migo heute durch ein Spinnennetz samt Spinne, hatte dann eine fette Kreuzspinne auf seinem Gesicht herumlaufen, die sicherlich nicht erfreut über diesen Fang war.

An der Straße zwischen Neuem Henningshof und Quitzow sind in diesem Jahr nur wenige kleine runde Pflaumen zu finde, wo im letzten Jahr einige der Bäume und Sträucher unter der Last der Früchte ächzten. Oder kommt ihre Zeit noch? Ich erntete dafür Zwetschgen, die zu einem Kompott gekocht mit Hefeklößen köstlich schmeckten und auch morgen noch schmecken werden.


388 – 2011-08-30, 22:30 Uhr

Die Prignitz ist vermutlich wegen der geringen Bevölkerung und schwachen Industrie eine besonders gut geeignete Region des deutschen Flachlands, um Sterne zu beobachten. Selbst hier in Perleberg, mit Straßenlaternen nicht weit entfernt, kann man die Milchstraße gut sehen. Auffällig ist der große Wagen, auch den kleinen mit dem Nordpolarstern kann man gut sehen.

Noch etwas ganz anderes, weil ich es, so glaube ich, noch gar nicht erwähnte. Flach über der Stepenitz fliegen in Perleberg oft Schwalben, höchstwahrscheinlich auf der Jagd nach Insekten.


389 – 2011-08-31, 19:05 Uhr

Gestern war es Migo, heute bin ich bei der Rückkehr von der Zucchini-Ernte am Ende des Gartens versehentlich mit dem Gesicht in ein Kreuzspinnennetz gelaufen, unter dem ich mich auf dem Hinweg noch hindurchgeduckt hatte.