Splitter, August 2010

251 – 2010-08-03, 15:37:44

Beim normal-zügigen Gehen macht Migo rund viermal so viele Schritte wie ich: doppelt so viele pro Pfote mit doppelt so vielen Pfoten.


252 – 2010-08-03, 15:58:10

Der Pflanzenwuchs des Hagens liegt am Boden, allein der Röhricht am mittigen Graben steht ungemäht einem Irokesenschnitt ähnlich noch da.


253 – 2010-08-03, 18:18:27

Toll! Google Maps kennt weitere Straßen mitten in Perleberg, die es nicht wirklich gibt. Vergleiche Satellitenbild, Karte und beides überlagert. Bei OpenStreetMap sieht es übrigens korrekt aus.

Der aktuelle Stand an dieser Stelle: Google Maps und OpenStreetMap.

Dass bei Google in der Karte Dinge fehlen – die halbe Stepenitz etwa – ist eine Sache. Dass nennenswerte Dinge verzeichnet sind, die es in der Stadt nicht gibt und nie gab, ist sehr verwunderlich. Ich wette, dass sich noch mehr davon finden. Die ganze Innenstadtkarte taugt für lustige Suchspiele.


256 – 2010-08-12, 21:22:25

Es scheint, wir steuern wieder auf Zeiten zu, in denen jeder nach Gutdünken schreibt. Anarchie bei Grammatik und Orthographie. Man mag auf den Gedanken kommen, die informationstechnische Revolution würde mit ihren standardisierten Rechtschreibprüfungen das Gegenteil bewirken. Doch das Experiment Realität zeigt, dass dieser Gedanke nicht zutrifft.

Woran liegt das? Nun, ich nehme als einen Grund an, dass via Internet heute Menschen schreiben, die früher nicht öffentlich geschrieben hätten. Daher fällt eine in der Bevölkerung stets vorhandene Streuung von Schreibweisen heutzutage stärker auf. Zum anderen gibt es nun seltener jemanden, der zwischen Verfassen und Veröffentlichen korrigiert. Ein Computerprogramm kann – wenn es überhaupt eingesetzt wird – dies noch immer weitaus schlechter als ein Fachmann erledigen.

Ein weiterer Grund mag in der Globalisierung zu finden sein. Wie auch fremde Tier- und Pflanzenarten vermehrt den Sprung über große Distanzen in unvorbereitete Ökosysteme schaffen, schwappen aufgrund der weltweiten Vernetzung und des Informationsaustauschs ständig Begriffe von einer Sprache in die andere. Verbunden mit Produkten oder Kulturgütern, die ansprechen, werden auch Wörter und deren Schreibweisen angenommen, was zu einer inkonsistenteren Schriftsprache führt.

Nicht zu vernachlässigen ist meiner Einschätzung nach außerdem die indirekte Wirkung von Suchmaschinen. Um mehr Treffer zu erhalten, neigen Autoren von Internetseiten dazu, Wörter getrennt zu schreiben, die eigentlich zusammengehören. Wenn man „Auto Bahn Dreieck“ (argh) schreibt, wird man bei mehr Sucheingaben gefunden, als bei der Verwendung des korrekten Titels „Autobahndreieck“. Zumindest war dies wohl die Hoffnung hinter falscher Schreibung, als man es noch bewusst tat. Dass die zusätzlichen Treffer mancher Auswüchse dieser Art womöglich Besucher bringen, die nur frustriert werden, da sie nicht finden, wofür sie sich eigentlich interessieren, wird offenbar als Kollateralschaden hingenommen. Der Erfolg wird in Klicks gemessen und die Klicks geben einem Recht. Keine schlechte Angewohnheit ist Unternehmen zu dumm, um sie in ihrem Namen zu verewigen: Volkswagen Bank (argh).

Leider ist das Ende der Übel damit noch lange nicht erreicht. Beliebt ist nämlich auch die Großschreibung mitten im Wort. Auch bei dieser Entwicklung handelt es sich womöglich um eine Ausgeburt des Internets. Während in Deutschland Domains mit Bindestrich häufig anzutreffen sind, gilt das im englischsprachigen Raum als großer Minuspunkt einer Adresse. Das heißt, schneller-und-billiger-mehr-einkaufen.bla gilt verglichen mit schnellerundbilligermehreinkaufen.bla als deutlich schlechtere Namenswahl. Weil das keiner mehr erfassen kann, wenn die Adresse hinter der Leitplanke eines Autobahndreiecks auf einem Schild prangt, würde man in den USA so etwas daraus machen: SchnellerUndBilligerMehrEinKaufen.bla (argh).

Abgesehen davon, dass „Kaufen“ hier natürlich klein geschrieben werden müsste, kann man diese Großbuchstaben in Internetadressen auf Schildern an Autobahnen vielleicht noch hinnehmen. Leider geben sich Firmen tatsächlich offizielle Namen dieser Art. Beispiel: UmweltBank (argh). Als Gegenentwurf scheint auch die sinnlose durchgehende Kleinschreibung noch immer beliebt zu sein: norisbank (argh). Ich vermute als Ursache hierfür, dass die Schriftart erster Wahl fürs Logo nur Kleinbuchstaben unterstützte. Also fügte man sich in sein Schicksal. Hinweis: Selbst im Englischen schreibt man Eigennamen groß.

Manche Unternehmen mixen Groß- und Kleinschreibung besonders kreativ: DAB bank (argh). DAB steht dabei übrigens für „Direkt Anlage Bank“ (argh)(argh), wie uns Bildchen auf der Internetpräsenz des Unternehmens erläutern. Das ist bereits so verwirrend, dass man gar nicht mehr weiß, ob man noch darauf hinweisen sollte, dass sie im Zusammenhang mit ihrem Kürzel stets den Bindestrich vergessen: DAB Depot (argh).

Damit es nicht heißt, kostenlose Werbung bekämen nur die Sünder, zum Schluss ein Positivbeispiel aus der vielfältigen Welt der Finanzdienstleister. Die DKB – das B steht für Bank – verzichtet darauf, hinter ihre Abkürzung noch einmal „Bank“ zu schreiben. Verbindet sie ihr Kürzel mit einem weiteren Nomen, setzt sie einen Bindestrich dazwischen: DKB-Privatdarlehen. Zu guter Letzt ist auch der ausgeschriebene Name „Deutsche Kreditbank“ in keiner Weise zu bemängeln. Daumen hoch!


260 – 2010-08-20, 03:35:28

Habe gerade expires als Meta-Erweiterung für HTML5 vorgschlagen. Freilich ist der Gedanke nicht neu: expires wird als Wert für das Attribut name des Elementes meta schon vielerorts ähnlich beschrieben. Für HTML5 kann man allerdings Werte für jenes früher fast beliebige Attribut zur Registrierung vorschlagen – und da dies offenbar noch niemand tat …


261 – 2010-08-20, 12:17:43

Hier mein zuletzt erwähnter Vorschlag:

meta name='expires' defines the expiration date of the page. This can be used for web pages in preparation for an upcoming event, e.g. a registration form for an exposition or competition, or other cases with a pre-set date when the document will no longer be valid, e.g. a product offer in a special sale or a support page for a product known not to be supported anymore from a given time onward.

Search engines should respond to this meta tag in a reasonable way, i.e. by removing the page from their main search results after the expiration date (possibly still returning the result in a special search for expired pages as long as the page exists and is not explicitly excluded via robots.txt or meta name='robots' etc.) or simply by indicating to the user that this result is out-of-date.

The content attribute should define the expiration date in accordance with http://www.w3.org/TR/NOTE-datetime. The meta tag should not be used for pages without expiration date. However, for historical reasons, search engines should also interpret other date formats where possible and should be prepared to find values such as "", "0", "no" and "never". Such non-date values are to be interpreted as no expiration date.

Correctly formatted example:

<meta name='expires' content='2012-12-31T23:59Z'>

This tag is not to be confused with and has a different meaning than meta http-equiv='expires'.


262 – 2010-08-20, 19:01:30

Hier noch ein Vorschlag für das rel-Attribut bei a- und link-Elementen in HTML5: der Wert latest-version ist nützlich, um auf die aktuelle Version eines Dokumentes zu verweisen.


263 – 2010-08-20, 21:30:22

Eine Idee für einen indirekten Beweis, der mir für $0.\bar{9} = 1$ gerade in den Sinn kam: Nehmen wir das Gegenteil an, gäbe es das arithmetische Mittel $x=\frac{0.\bar{9}+1}{2}$ und es würde $0.\bar{9}<x<1$ gelten. Die Dezimalbruchentwicklung der reellen Zahl $x$ müsste demnach vor dem Dezimaltrennzeichen die Ziffer $0$ ergeben, um mindestens eine Ziffer zu besitzen, die kleiner als die entsprechende Ziffer in $1$ ist, denn alle anderen Stellen von $1$ sind nullwertig. Zusätzlich müsste $x$ hinter dem Dezimaltrennzeichen zumindest eine Stelle aufweisen, die größer als die entsprechende Stelle in $0.\bar{9}$ ist, um diese Zahl zu übertreffen. Dies ist allerdings nicht möglich, da all jene Stellen in $0.\bar{9}$ bereits mit der größten Dezimalziffer belegt sind. Da sich aber zu jeder reellen Zahl mit der Dezimalbruchentwicklung eine Ziffernfolge zuordnen lässt, ergibt sich ein Widerspruch. Die Annahme kann folglich nicht richtig sein.


264 – 2010-08-22, 20:11:01

… kann ich in ein paar Jahren dann auch mein Gesicht ändern lassen? Ich fürchte, selbst Herr Schmidt erkennt hier die Veränderungen durch das Internet nicht umfassend, wenn eine Namensänderung ihm als eine Lösung erscheint: Spiegel-Artikel. Eigentlich erstaunlich, kauft Google doch auch im Bereich der Objekterkennung ein: Heise-Artikel. Eine Flucht vor der eigenen Vergangenheit ist kaum möglich, die Bewertung der Daten, der Umgang mit ihnen muss (und wird sich daher) verändern: Splitter, Dezember 2009.