Gästebuch, September 2009

Re: There's Always a Bigger Fish

21 – 2009-09-11, 14:57:11 – kualsq5

Welche Interpretationen, Anwendungen, Assoziationen siehst Du für „Es gibt immer einen noch größeren Fisch“?

Ich sehe diesen Spruch auch in Zusammenhang mit Obi-Wan Kenobis „Only a Sith deals in absolutes“ in Episode III, frei übersetzt: „Nur ein Sith denkt und handelt in Extremen.“ Wenn es immer einen größeren Fisch gibt, gibt es keinen größten Fisch, keinen Superlativ, kein Extrem. Es impliziert einen Gegenentwurf zum Weg der Sith.


22 – 2009-09-12, 11:22:16 – Au5ep8e

Bei "Es gibt immer noch einen größeren Fisch" denke ich zuerst daran, dass es immer einen Menschen gibt, der etwas, das du gut oder sehr gut beherrschst, noch besser kann oder könnte (wenn er die Gelegenheit hätte).
Das halte ich mir auch oft bei Weltrekordlern vor Augen: Ein Weltrekordler ist im Prinzip nur jemand, der innerhalb einer Organisation nach bestimmten festgelegten Regeln zu einem bestimmten Zeitpunkt der beste ist.
Dennoch kann es problemlos sein, dass jemand außerhalb dieser Organisation viel besser ist.

Und dann gibt es noch Leute, die viel besser sein könnten, wenn sie nicht einen anderen Weg eingeschlagen hätten, also zum Beispiel der Diskuswerfer, der lieber Lehrer geworden ist.


28 – 2009-09-16, 02:16:08 – Au5ep8e

Ich wollte ergänzend noch etwas loswerden: Mir fällt auf, dass die Thesen im Text gut und gerne einzeln aufgeteilt noch einmal genug Stoff liefern würden, um jeweils einen Artikel pro Thema zu rechtfertigen. Untermalen könnte man das zum Beispiel mit anschaulichen Bildern (kam mir schon während des Lesens in den Sinn) und Zitaten von wichtigen Leuten.


31 – 2009-09-16, 15:36:25 – kualsq5

Bereichernden Antworten, danke! Bilder oder andere Personen der Geschichte sprechen zu lassen, ist ein guter Vorschlag, den ich mir für kommende Artikel hinter die Ohren schreibe. Bestimmt lässt sich dadurch bei vielen Themen mehr Anschaulichkeit und eine Auflockerung erreichen.

Dass man aus Teilen des Artikels eigenständige Beiträge zimmern könnte, passt prächtig auch zu Deinem Hinweis auf die versteckten Talente da draußen in der Welt. Ich frage mich, wie viel Menschen mit außergewöhnlichem Potenzial dieses wohl nicht ausschöpfen können. Wo wäre die Menschheit, wenn mehr Talente früh erkannt und gefördert würden? Vielleicht führt die Globalisierung, das Internet dazu, dass junge Menschen mit besonderen Fähigkeiten überall auf der Welt zukünftig häufiger Zugang zu den Fachgebieten finden, die sie voranbringen können, zu Bildung auch und zu persönlichen Kontakten mit Gleichgesinnten. Andererseits sind Inselbegabungen evolutionär für den Einzelnen nicht immer praktikabel. Um sich durchzusetzen, braucht es oft weitere Qualitäten wie ein dickes Fell und spitze Ellenbogen. Dieser Konkurrenzkampf wird durch die Globalisierung vermutlich verschärft, es gibt mehr Mitbewerber um Aufmerksamkeit und Ressourcen. So könnte es sein, dass von kommunikativ stärkeren oder technikaffineren Menschen überschattet spezielle Talente weiterhin unentdeckt schlummern, obwohl sie für den ganzen Organismus Menschheit einen wertvollen Fortschritt erreichen könnten.

Einfach so…

29 – 2009-09-16, 04:09:54 – uwhEnnJ

Man müsste auch die Splitter kommentieren können!


33 – 2009-09-16, 22:07:55 – syTqdX4

Als ich die Splitter-Rubrik einrichtete, entschied ich mich bewusst, keine Kommentare freizuschalten. Es handelt sich mehrheitlich um Gedankensplitter, kurze Eindrücke. Oft sind es Dinge, bei denen es nichts zu diskutieren gibt. Beispiele wären, wie mir das Wetter gefällt oder dass vor meinem Badezimmerfenster Spinnenkinder zum ersten Mal das Licht der Welt erblickten. Teilweise sind es auch Dinge, die ich nicht diskutieren möchte, wie das Thema „Dienstwagenaffäre“: Verglichen mit den wirklichen Problemen, welche für eine erstaunliche Zeit von jener Angelegenheit in Medien und öffentlichem Diskurs verdrängt wurden, ist es eine zu viel besprochene Lappalie.

Quält ein Splitter Dich zu sehr, bist Du eingeladen, mir eine E-Mail zu senden oder hier im Gästebuch eine Notiz abzulegen, solang sie eines Gästebuches angemessen ist.

Re: Warum beweist sich Gott nicht?

36 – 2009-09-19, 19:35:59 – glZE1M9

Tststs …
Die Worte 'Gott', 'Glaube', 'Gabe' und 'Vertrauen' auf die Feder spießen und nicht mal einen Ansatz dazu eine Erklärung liefern, wovon man eigentlich redet. Ganz zu schweigen davon, welche Paradoxien sich durch konsequente Anwendung dieser Wörter eingehandelt wird.

Re: Warum beweist sich Gott nicht?

38 – 2009-09-21, 13:09:24 – zmwMg93

Hmm, das Feld Glaube ist ein weites Feld. Von Gläubigen höre ich auch vom (wie ich finde aus menschlicher Sicht nachvollziehbaren) Paradox des Glaubens ohne Gewissheit. Soweit, so gut.

Bei den Beispielen für Zeichen Gottes machst du es dir ein bisschen zu schwer. Wenn ein allmächtiges Wesen Interesse daran hätte, die Menschen von seiner Existenz zu überzeugen (und zwar im Sinne von "Wink mit dem Zaunpfahl"/Borg-Kollektiv), so wäre das auf unendlich vielen Wegen möglich. Gott könnte sogar jedem einzeln auf ganz spezielle Weise seine Existenz verdeutlichen (Stichwort: Holodeck).

Da offenkundig nicht jedem die Existenz Gottes einleuchtet, kann man ein paar Schlüsse ziehen: Entweder hat Gott wie auch immer zu interpretierende Gründe, "Kontaktaufnahme" (welcher Art auch immer) zu verweigern ("Evil God") oder Welt und Gott sind nicht voneinander getrennt (was dann wiederum auch etwas paradox ist).
Schwierig, schwierig ...


39 – 2009-09-21, 17:30:35 – ZsB+RbM

Womöglich male ich das Senden eines Existenzzeichens Gottes tatsächlich etwas kompliziert aus. Du hast gewiss Recht, wenn Du sagst, dass dies auf einer Unzahl von Wegen möglich wäre, zumal man Gott gerne Eigenschaften wie „Allmächtigkeit“ zuspricht – was ich selbst wegen damit verbundener Paradoxien lieber vermeide. Für die Auflösung der Paradoxien kann man freilich verschiedene Modelle entwickeln, die zum Beispiel Anwendbarkeit des Begriffes „Allmächtigkeit“ auf sich selbst bzw. eine Rückwirkung auf den Träger dieser Eigenschaft ausschließen. Man könnte etwa sagen, mit „Allmächtigkeit“ sei nicht gemeint, dass Gott sich eine Aufgabe stellen können müsse, die Gott selbst nicht lösen könne. Dass so eine Definition auf Gott zutrifft, kann man glauben oder nicht, aber da es offenbar nicht praktisch überprüfbar ist, hilft dies beim Versuch, Wissen über die Existenz Gottes zu erlangen, nicht weiter. Wie dem auch sei – lassen wir „Allmächtigkeit“ weg und halten fest, dass es viele Wege für ein Zeichen Gottes geben könnte.

Ich denke trotzdem, dass meine zwei im Artikel genannten Möglichkeiten prinzipiell ziemlich viele dieser möglichen Wege abdecken. Wenn wir von einem Zeichen Gottes sprechen, dass als solches erkannt werden soll – und zwar von ungläubigen Menschen – dann meinen wir doch einen Beleg von Übernatürlichkeit. Einen „Mensch“, der behauptet Gott zu sein und ein unterschriebenes und abgestempeltes Schriftstück als Beleg vorweisen kann, würden wir allein wohl kaum als überzeugend erachten. Wir wollen mindestens ein Kunststück, dessen Vollbringung wir uns nicht mit unserem Wissen erklären können, dass uns aber auch kein Taschenspieler und kein Wissenschaftler erklären kann. Um Übernatürlichkeit zu zeigen, muss man irgendwie das natürliche überwinden, denke ich. Das steckt praktisch schon im Wort drin. Mit dem Beispiel Holodeck gehst Du vielleicht in die Richtung, dass die Naturgesetze nicht ungültig gemacht werden, dass aber eine Person zeitweilig aus dem System der Naturgesetze herausgenommen wird? Letztendlich würde aber auch dies für die betroffene Person einen Bruch der Naturgesetze bedeuten.

Hm – oder fällt Dir vielleicht eine Art „Zero-Knowledge-Protokoll“ (siehe Wikipedia) für einen Gottesbeweis ein? Eine Art indirekter Beweis von Übernatürlichkeit also, ohne dass wir etwas von Übernatürlichkeit wahrnehmen, einzig die Bestätigung ihrer Existenz erhalten?

Zum konkreten Beispiel Holodeck vielleicht noch einmal ein Wort: Ich schätze, ein Holodeck würde eher als Sciencefiction denn als göttlich wahrgenommen, nicht zuletzt dank „Star Trek“. Also als vielleicht nicht nachvollziehbar für den einzelnen, aber als akzeptabel im Rahmen dessen, was natürlich erklärbar sein könnte. Das wäre die Schublade „der wissenschaftliche Fortschritt bietet die Aussicht, selbst unverstandene Dinge in wenigen Jahren gut einordnen zu können“ aus meinem Artikel. Vielleicht würde man so etwas also als außerirdisch, aber nicht als übernatürlich wahrnehmen und bezeichnen.

Zu guter Letzt fallen mir zu Deiner Spekulation am Ende noch zwei Punkte ein: Zum einen denke ich, dass „Evil God“ für das zuerst beschriebene Szenario vielleicht zu negativ wertend ist. Wenn Du zum Beispiel an Kevin Smith' „Dogma“ denkst, in dem die Stimme Gottes für Menschen als tödlich beschrieben ist, wäre dies ein Grund für einen „Gracious God“, nicht zu uns zu sprechen. Zum anderen fällt mir noch ein Film ein, nämlich „The Mothman Prophecies“, auch wenn es darin nicht um Gott geht:
John Klein: I think we can assume that these entities are more advanced than us. Why don't they just come right out and tell us what's on their minds?
Alexander Leek: You're more advanced than a cockroach, have you ever tried explaining yourself to one of them?


89 – 2010-01-04, 10:07:58 – ZsB+RbM

Dieser Comicstrip passt zum Artikel: http://www.smbc-comics.com/index.php?db=comics&id=1750