August Höpfner: Perleberger Reimchronik
Der fromme Arend Hentzke war von Gott
Begnadet reich mit Gütern dieser Erde;
Er stand in seines Lebens Abendroth.
Mit seinem Weibe theilt er die Beschwerde,
Des Leibes Schwachheit, die dem Alter eigen;
Doch hofft das Paar, daß bald erlöst es werde.
„Ach, Catharine, unsre Tage neigen
Dem End’ sich zu; wir sind ein schwach Geschlecht.
Laß uns dem Nächsten frommen Dienst erzeigen!
Zur Fördrung seiner Einfalt scheint mir’s recht,
Da unverdient wir reichen Gut’s uns freuen,
Daß einen Theil man ihm verleihen möcht’.
Ein Opfer ist’s, das wir dem Höchsten streuen,
Der uns erwecken wird aus Grabes Nacht;
So wollst Du solche Liebesgab’ nicht scheuen.“ —
Da sprach das Weib: „Ich hab wie Du gedacht;
Was gern gegeben, wird ein Segen bleiben!
Weil wir gesehn des Himmels ew’ge Macht,
Die nun ein End’ gesetzt dem Pfaffentreiben,
Das Evangelium befreit vom Wust,
So laß der Nothdurft, Gott zu Dank, verschreiben.“
Und Arend drauf in rechter Herzenslust:
„Ach, Catharine, sieh, wie ist es prächtig,
Wenn Weib und Mann so stimmen vollbewußt!“
Und er berieth mit seiner Frau bedächtig,
Wie sie es machten der Gemeind’ zum Frommen,
Daß Ordnung auch und Einfalt immer mächtig.
„Lieb Arend, wie Du willst, so mög es kommen!“
Erklärte sie; da haben beide Alten
Zum weisen Rathe bald den Weg genommen.
Als Arend sprach, es sind ihm schier die Falten
Verschwunden aus dem leuchtenden Gesicht;
Er sagte freudig, wie sie’s möchten halten,
Und gab manch Capital zu solcher Pflicht,
Und war so froh, wie wohl nicht mehr seit Jahren.
„Nun diesen Wunsch wir in das Werk gericht’t,
So komme, Herr, daß wir von hinnen fahren!“ —
(Das alte Arend Hentzkesche Ehepaar setzte aus
Das Kloster hieß St. Annen, und stand an der Stelle, auf welcher sich jetzt das Realschulhaus befindet. Nach der Reformation diente das Kloster armen Leuten zu Wohnstätten.)