Ein Dreieck besitzt drei Winkel
mit der Winkelsumme
. Kosinusprodukt bezeichnet auf dieser Seite das Produkt
. Es spielt unter anderem eine Rolle bei Berechnungen zum Spiegeldreieck eines Dreiecks.
Der Bildbereich des Kosinusprodukts, also welche Werte das Kosinusprodukt tatsächlich annimmt, soll ermittelt werden. Bei dieser Untersuchung wird unter Beibehaltung der Winkelsumme zunächst
zugelassen, es werden also auch degenerierte Dreiecke betrachtet.
Sinus- und Kosinusfunktion sind stetig und beliebig oft differenzierbar. Dasselbe gilt für ihre Produkte sowie für Verkettungen mit Polynomen.[1] Im Reellen sind Sinus- und Kosinusfunktion auf Werte aus dem Intervall
beschränkt.[2]
Ersetzt man im Kosinusprodukt einen Winkel mit Hilfe der Winkelsumme durch die beiden übrigen Winkel,
, lässt sich das Kosinusprodukt als Funktion von nur zwei Variablen
mit dem Definitionsbereich
und der Zielmenge
schreiben.

Um den Bildbereich zu ermitteln, sollen die globalen Minima und Maxima gefunden werden. Zu diesem Zweck werden zunächst die ersten und zweiten partiellen Ableitungen gebildet. Die partielle Ableitung von
nach
notiere ich dabei als
. Neben den Ableitungsregeln sind hierfür auch die Additionstheoreme hilfreich:

An Extremstellen sind die ersten partiellen Ableitungen einer Funktion null. Um diese Stellen zu ermitteln, ist also für die partielle Ableitung nach
zu betrachten:
Die Nullstellen der Kosinusfunktion liegen bei
mit einer beliebigen ganzen Zahl
. Aus dem Intervall
kommt damit nur
in Frage, um den ersten Faktor der Ableitung nullzusetzen.
Die Nullstellen der Sinusfunktion liegen bei
. Wenn
, ist die Ableitung also ebenfalls null. Beachtet man, dass beide Winkel im Intervall
liegen müssen, ergibt das folgende Möglichkeiten:
Zusammengefasst gibt es drei Möglichkeiten, damit die partielle Ableitung nach
null wird:
Analog ergeben sich bei der partiellen Ableitung nach
folgende drei Möglichkeiten:
Sowohl die partielle Ableitung nach
, als auch die partielle Ableitung nach
müssen an der Stelle
null sein, um dort eine Extremstelle zu ermöglichen. Daher wird nun betrachtet, welche der Möglichkeiten sich kombinieren lassen. Eine unmögliche Kombination wird durch nein gekennzeichnet, eine mögliche durch ja.
| a. | b. | c. | |
|---|---|---|---|
| 1. | ja | nein | ja |
| 2. | nein | ja | ja |
| 3. | ja | ja | ja |
Zusammengefasst:
Um herauszufinden, ob es sich bei den ermittelten Kandidaten für Extremstellen um Maxima, Minima oder Sattelpunkte handelt, werden an den möglichen Extremstellen die Determinante
der Hesse-Matrix der zweiten partiellen Ableitungen sowie gegebenenfalls
betrachtet:[3]
Um zu überprüfen, ob es sich bei
mit
auch um das globale Maximum des Kosinusprodukts handelt, ist nun noch zu testen, ob an den Rändern
und
und
des Definitionsbereichs höhere Werte erreicht werden.
Das Kosinusprodukt ist mit
demnach tatsächlich im gleichseitigen Dreieck maximal.
An den ermittelten lokalen Minima ist
. Da
ist, kann ein reines Produkt aus Kosinus keinen noch kleineren Wert annehmen.
ist also auch global der kleinste Funktionswert.
Als stetige Funktion nimmt das Kosinusprodukt auch alle Werte zwischen dem größten und kleinsten Wert an. Der Bildbereich ist also
, wenn degenerierte Dreiecke zugelassen werden. Ohne degenerierte Dreiecke entfallen die Minima, und das Kosinusprodukt nimmt alle Werte aus
an.

Für den Kosinus des rechten Winkels gilt
. Mit diesem Faktor ist das Kosinusprodukt jedes rechtwinkligen Dreiecks null.
Im spitzwinkligen Dreieck fallen alle Winkel in das Intervall
. Da die Funktionswerte der Kosinusfunktion über diesem Bereich ausnahmslos positiv sind, ist auch das Kosinusprodukt positiv.
Stumpfwinklige Dreiecke besitzen zwei spitze Winkel, deren Kosinus positiv sind, sowie einen Winkel aus dem Intervall
. Da die Funktionswerte der Kosinusfunktion über diesem Bereich ausnahmslos negativ sind, ist auch das Kosinusprodukt negativ.
Zu guter Letzt ein Satz zu Spiegeldreiecken von spitzwinkligen Dreiecken.
Für spitzwinklige Dreiecke charakteristisch ist, dass die Summe der Quadrate über zwei beliebigen Seiten stets größer als das Quadrat über der dritten Seite ist. Dies folgt aus dem Kosinussatz, wenn man beachtet, dass der Kosinus spitzer Winkel positiv ist. Es gelten also:

Ebenfalls mit dem Kosinussatz lässt sich für das Kosinusprodukt festhalten:
Das Kosinusprodukt des Spiegeldreiecks eines spitzwinkligen Dreiecks ist mindestens so groß wie dessen Kosinusprodukt. Sind
die Winkel des spitzwinkligen Dreiecks und
die Winkel dessen Spiegeldreiecks, heißt dies:
Gleichheit gilt im Fall gleichseitiger Dreiecke.
Der Satz impliziert, dass auch das Spiegeldreieck eines spitzwinkligen Dreiecks spitzwinklig ist und im Sinne des Kosinusprodukts einem gleichseitigen Dreieck näher als das Ausgangsdreieck.

Mit dem Kosinussatz wird aus der Behauptung über Winkel eine Behauptung über die Seitenlängenquadrate der Dreiecke:
Multipliziert man beide Seiten der Ungleichung mit beiden Nennern und teilt durch 8, ergibt das:
Zieht man auf beiden Seiten der Ungleichung die linke Seite ab, erhält man:
Die Seitenlängen-Formeln für Spiegeldreiecke eingesetzt, zusammengefasst und ausgeklammert ergibt:
Teilt man beidseitig durch
– in jedem nicht-degenerierten Dreieck sind alle Faktoren dieses Terms positiv – und multipliziert mit dem Nenner, bleibt:
Die rechte Seite der Ungleichung lässt sich des Weiteren äquivalent wie folgt umformen:
In dieser Form ist mit den Vorbetrachtungen offensichtlich, dass diese Ungleichung in spitzwinkligen Dreiecken stimmt, und dass Gleichheit nur durch
, das heißt im gleichseitigen Dreieck, hergestellt wird.