Dieser Artikel führt eine Reihe ein, die ich edle Reihe nenne. Verglichen wird sie mit der harmonischen Reihe und dem natürlichen Logarithmus. Veranschaulicht werden die Überlegungen durch eine geometrische Interpretation. Verwandte Reihen werden am Ende vorgestellt.
Als edle Folge
bezeichne ich die Folge der folgenden Kettenbrüche

Die wichtige Eigenschaft
aller Folgenglieder kann direkt aus der Kettenbruchdarstellung abgelesen werden.
Die Folgenglieder lassen sich auch als Kehrwerte der Grenzwerte der Folge [1]
mit den Parametern
und
beschreiben. Die Bestimmung der Kehrwerte dieser Grenzwerte ergibt die äquivalente Darstellung
ist der Goldene Schnitt,
der Silberne Schnitt, … Die Folgenglieder sind nach Edelmetallen benannt – daher meine Bezeichnung edle Folge.
Die Folgenglieder
der edlen Folge werden mit denen der harmonischen Folge
und jenen der „um 1 verschobenen harmonischen Folge“
verglichen: Es gilt für alle ![]()

Die harmonische Folge
ist also eine Majorante von
, die Folge
ist eine Minorante von
.
Als edle Reihe
bezeichne ich die Folge der Partialsummen der edlen Folge:

Definiert werden auch die harmonische Reihe
und die „verschobene harmonische Reihe“
:

Für die Differenz dieser beiden Reihen gilt:

Beiden Reihen trennt also nur eine Differenz von etwas weniger als 1.
Die edle Reihe ist streng monoton steigend, denn für alle Glieder
der edlen Folge gilt
.
Da die harmonische Reihe bekanntermaßen [2] streng monoton steigend und divergent ist und ihre Differenz zur „verschobenen harmonischen Reihe“ 1 nicht übersteigt, ist auch die „verschobene harmonische Reihe“ bestimmt divergent. Folglich ist auch die edle Reihe bestimmt divergent, denn es gilt
.
Während harmonische und edle Reihe divergente Reihen sind, konvergiert die Differenz aus der jeweiligen Reihe und dem natürlichem Logarithmus von
. Bekanntermaßen [3] gilt
wobei
die Euler-Mascheroni-Konstante bezeichnet. Analog bietet sich an, die Differenz aus edler Reihe und natürlichem Logarithmus zu betrachten [4]. Ihren Grenzwert bezeichne ich mit
:
Der folgende Abschnitt beschäftigt sich mit einer geometrischen Interpretation der Reihen
,
,
sowie der
-Funktion. Darin vergleiche ich die mit
indizierten Reihen mit
anstatt mit
wie soeben. Der Vergleich mit
ist aus geometrischer Sicht meiner Meinung nach naheliegender. Für die Grenzwerte macht es hier aber keinen Unterschied, ob man eine Differenz mit
oder mit
bildet, denn
… und
schreibt sich wohl einfach schöner.
Der natürliche Logarithmus einer Zahl
entspricht der Fläche unter dem Graphen der Funktion
im Intervall
:
Die folgende Grafik [5] stellt
mit
als hellblaue Fläche unter dem Kurvenverlauf von
dar.

Die harmonische Reihe
überschätzt diesen Wert. In der folgenden Grafik stellt sich
als hellrote Fläche unter einer Treppe dar, deren Stufen genau auf
sitzen.

Die „verschobene harmonische Reihe“
unterschätzt
hingegen. Die folgende Grafik zeigt
als hellgrüne Fläche unter einer Treppe, deren Stufen genau unter
hängen.

Die nächste Grafik zeigt
als gelbe Fläche. Man erkennt im Vergleich mit den vorigen Grafiken, dass die edle Reihe
zwischen
und
liegt.

Die Stufenoberkanten der edlen Reihe liegen genau so, dass sich zwischen ihrem k-ten Schnittpunkt mit
, der x-Achse und dem Lot auf die x-Achse an der Stelle
ein Quadrat aufspannt, wie folgende Grafik illustriert. Diese Charakteristik ergibt sich direkt aus der Eigenschaft
der edlen Folge.

Die orangefarbenen Quadrate mit der Seitenlänge
bilden ihrerseits wieder eine Folge und in Summe eine Reihe. Dies motiviert zur späteren Verallgemeinerung.
Analog zur alternierenden harmonischen Reihe kann man auch eine alternierende edle Reihe betrachten. Ihre Konvergenz ist durch das Leibniz-Kriterium sichergestellt, da
eine streng monoton fallende Nullfolge ist. Für den Grenzwert gilt:
Mit einem Parameter
wird die edle Reihe verallgemeinert:
Ebenso lässt sich bekanntermaßen [6] die harmonische Reihe verallgemeinern:
Für
ist
konvergent:
bildet eine konvergente Majorante. Für
ist
divergent, denn dann handelt es sich bei ihr um nichts anderes als die edle Reihe. Im Fall
divergiert
mit der edlen Reihe als Minorante, denn für alle natürlichen
ist
und mit
gilt

Als konvergentes Beispiel sei der Fall
genannt, welcher der Summe der orangefarbenen Quadrate in der Illustration oben entspricht.