Es gibt gewiss eine Unzahl Wege, um zu zeigen, dass der Würfel das größte Volumen aller Quader im Verhältnis zu seiner Oberfläche besitzt. Dass der Würfel in diesem Sinne also ein „optimaler“ Quader ist.
Ein Ansatz für einen indirekten Beweis sieht so aus: Zuerst zeigt man, dass ein Quadrat bei gleichem Flächeninhalt den kleinsten Umfang aller Rechtecke besitzt. Als zweites nimmt man an, man könne einen „optimalen“ Quader finden, der kein Würfel ist. Man spinnt weiter, welche Schlüsse aus dieser Annahme folgen und gelangt mithilfe der einfacheren Aussage über das Quadrat zu einem Widerspruch [1]. Die Annahme kann dann nicht richtig sein. Wenn es also keinen „optimalen“ Quader gibt, der kein Würfel ist, bleibt nur der Würfel als Kandidat übrig.
Ein anderer Ansatz bedient sich der Differentialrechnung. Im Prinzip nahe liegend, handelt es sich doch um ein Extremwertproblem. Aber auch nur nahe liegend, wenn einem die Differentialrechnung vertraut ist. Zumal nahe liegender Weise eine Ableitung einer Funktion mit mehreren Veränderlichen in Frage kommt, welche im Grundkurs Mathematik nicht einmal im Abitur auf dem Lehrplan steht, vielleicht doch nicht für jeden so nahe liegend.
Ich wollte einen direkten Beweis finden, der nicht mehr als einen Schulabschluss der 10ten Klasse voraussetzt. Lustiger Weise kam ich während meines Studiums der Angewandten Mathematik nicht darauf. War ich zu sehr im aktuellen Stoff gefangen und hatte den Blick für die grundlegenden Lösungswege verloren? Da es genug anderes zu tun gab, legte ich das Problem schnell zur Seite. Nun ist Zeit, den Beweis nachzuholen. :-) Doch zuvor die Frage:
Gut ist das für die Energiebilanz eines Hauses, beim Backen eines krustenarmen Kastenbrotes, bei der materialsparenden Verpackung von Produkten sowie beim Bau eines effizienten Raumschiffes. Auch bei der Form des Eises im Erfrischungsgetränk spielt diese Überlegung eine Rolle.
Es sollen keine exotischen „Minus-Würfel“ oder „Null-Quader“ betrachtet werden. Alle Kanten haben positive Längen.
Für das Volumen
, die Oberfläche
und die Kantenlänge
eines Würfels gelten:

Das „
“ vor der letzten Zeile bedeutet einfach, dass diese und die vorhergehende Zeile – unter den gegebenen Voraussetzungen – äquivalent sind.
Für das Volumen
, die Oberfläche
und die Kantenlängen
,
und
eines Quaders gelten:
Wählt man
als Bezeichnung für die kürzeste Kante des Quaders, kann man die anderen
und
schreiben.

Die Gleichungen für Volumen und Oberfläche sehen dann so aus:

Wobei
und auch
zutreffen, denn wie gesagt: Alle Längen sind positiv.
Ein Würfel hat mindestens das gleiche Volumen wie ein beliebiger Quader mit derselben Oberfläche. Sind die Volumen gleich, dann muss auch der Quader ein Würfel sein. Als Formel notiert (darf aber ignoriert werden):
Einfach ausgedrückt: Von allen Quadern hat der Würfel das „optimale“ Verhältnis aus Volumen und Oberfläche.
Zuerst baue man sich einen Würfel, der dieselbe Oberfläche wie ein beliebiger Quader hat. Dafür kombiniere man die Gleichungen der Quader-Oberfläche und der Kantenlänge des Würfels. Dann wende man die Volumenberechnung des Würfel an:

Nun zeige man, dass das Volumen dieses Würfels mindestens so groß wie das Volumen des Quaders ist:

… jetzt die Potenzen auflösen, also „die Klammern ausmultiplizieren“ – zugegeben, da ist etwas Schreibarbeit nötig, aber dem Prinzip nach nicht schwer …
… weiter zusammenfassen kann nicht schaden …

Nun ist ersichtlich, dass die Ungleichung stimmt. Alle Summanden auf der linken Seite sind größer oder gleich null. Auch erkennt man, dass nur dann Gleichheit hergestellt werden kann, wenn
, also auch der Quader ein Würfel ist. Der Quader reicht nur dann an den Würfel heran, wenn er selbst zum Würfel wird. Beweis erbracht. :-)
Wie wäre es zum Beispiel mit einem Beweis, dass der Würfel von allen Quadern das größte Verhältnis aus Volumen und Gesamtkantenlänge besitzt? Oder mit weniger Schreibarbeit: Dass das Quadrat von allen Rechtecken das größte Verhältnis von Flächeninhalt zum Umfang hat? Im Prinzip geht es genauso wie dieser Beweis. Und gewiss auch noch anders.